Der Nachtschreck — fachlich Pavor nocturnus — ist eine Aufwachstörung aus dem Tiefschlaf und fällt deshalb fast immer in die ersten zwei bis drei Stunden der Nacht. Typisch sind ein plötzlicher Schrei, Aufrichten oder Hochfahren, weit aufgerissene Augen, Herzrasen, schnelle Atmung und Schweiß bei gleichzeitig fehlender Ansprechbarkeit; nach wenigen Minuten schläft die Person weiter und erinnert sich am Morgen an nichts. Genau das unterscheidet ihn vom Albtraum: Ein Albtraum kommt aus dem REM-Schlaf in der zweiten Nachthälfte, man wacht richtig auf, ist orientiert und kann den Traum erzählen. In einer britischen Bevölkerungsstichprobe mit 4.972 Erwachsenen berichteten 2,2 Prozent einen Nachtschreck. Auffällig ist, womit er dort zusammenhing: mit dem Gefühl, nachts keine Luft zu bekommen, mit einer Schlafapnoe und mit Alkohol vor dem Zubettgehen. Beim Erwachsenen lohnt deshalb immer der Blick auf Schlafmangel, Alkohol, Stress, Medikamente und die Atmung. Gefährlich ist nicht die Episode selbst, sondern was während ihr passieren kann.
Beim Kind kennt man ihn: Nachtschreck, meist zwischen drei und sechs Jahren, dramatisch anzusehen, harmlos, wächst sich aus. Beim Erwachsenen ist die Reaktion eine andere — da denkt man an Trauma, an Panikattacken, an Herzprobleme. Meistens ist es keins davon. Der Pavor nocturnus gehört zu derselben Gruppe von Aufwachstörungen wie Schlafwandeln und verwirrtes Erwachen und folgt denselben Regeln.
Nachtschreck Erwachsene: was in diesen zwei Minuten passiert
Im Tiefschlaf ist die Weckschwelle am höchsten. Wenn das Gehirn aus dieser Tiefe herausgerissen wird, kann das Aufwachen unvollständig bleiben: Das vegetative Nervensystem fährt in Sekunden auf Alarm — Puls, Atmung, Blutdruck, Schweiß —, während das Bewusstsein noch schläft. Das Ergebnis ist maximale Panik ohne Inhalt. Es gibt keinen Traum, aus dem heraus geschrien wird; oft bleibt nur ein Fragment, ein Bild, ein Gefühl von Bedrohung oder Ersticken.
Woran man eine Episode erkennt:
- Der Zeitpunkt. Fast immer in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen, also im Tiefschlaf-Anteil der Nacht.
- Der Beginn. Schlagartig. Ein Schrei, ein Aufsetzen, manchmal ein Aufspringen.
- Der Körper. Herzfrequenz und Atmung schnellen hoch, die Haut ist schweißnass, die Pupillen sind weit.
- Die fehlende Ansprechbarkeit. Die Augen sind offen, die Person sieht durch dich hindurch. Zuspruch kommt nicht an; Anfassen verschlimmert es häufig.
- Das Ende. Nach Sekunden bis wenigen Minuten legt sich die Person hin und schläft weiter, als wäre nichts gewesen.
- Die Erinnerungslücke. Am Morgen ist nichts da — oder höchstens ein diffuses Bedrohungsgefühl.
Zur Häufigkeit: In einer repräsentativen britischen Stichprobe von 4.972 Erwachsenen berichteten 2,2 Prozent einen Nachtschreck, 2,0 Prozent Schlafwandeln und 4,2 Prozent verwirrtes Erwachen. Eine neuere norwegische Befragung von 1.002 Erwachsenen bestätigt das Bild, dass Parasomnien insgesamt häufig sind — die Lebenszeit-Häufigkeiten der elf untersuchten Formen reichten dort von 2,3 Prozent bis 47,2 Prozent, wobei Albträume mit Abstand die häufigste Form waren. Jüngere Menschen waren stärker betroffen als ältere, und fast alle Parasomnien hingen mit Schlaflosigkeit, Angst und depressiven Symptomen zusammen.
Warum die Abgrenzung zum Albtraum so wichtig ist
Sie entscheidet darüber, wonach man überhaupt sucht. Der Albtraum ist ein Traumerlebnis: Er kommt aus dem REM-Schlaf, also überwiegend in der zweiten Nachthälfte, man wacht davon vollständig auf, weiß sofort, wo man ist, und kann den Inhalt erzählen. Häufige Albträume hängen mit Belastung, Trauma, Depression und bestimmten Medikamenten zusammen, und sie sind gut behandelbar — unter anderem mit Verfahren, die den Trauminhalt im Wachzustand umschreiben. In einer finnischen Bevölkerungsuntersuchung mit 69.813 Teilnehmenden berichteten 3,5 Prozent der Männer und 4,8 Prozent der Frauen häufige Albträume.
Der Nachtschreck ist dagegen kein Traum, sondern ein Fehlstart beim Aufwachen. Deshalb hilft gegen ihn auch nichts, was am Trauminhalt ansetzt. Was hilft, setzt am Tiefschlaf an: genug Schlaf, regelmäßige Zeiten, kein Alkohol, keine Störungen — und die Suche nach dem, was die Nacht von innen aufreißt.
Warum es beim Erwachsenen anders bewertet wird als beim Kind
Bei Kindern ist der Nachtschreck ein Reifungsphänomen: Sie haben mehr und tieferen Tiefschlaf, die Weckschwelle ist höher, und mit den Jahren verschwindet das Ganze von selbst. Deshalb behandelt man beim Kind in aller Regel gar nichts — man sichert das Zimmer und wartet ab. Beim Erwachsenen fehlt diese Erklärung. Hier steht die Frage im Raum, was den Tiefschlaf so massiv stört, dass er in einer Panikreaktion aufbricht, und genau deshalb lohnt sich das Nachsehen. In der norwegischen Befragung waren Parasomnien insgesamt bei jüngeren Menschen häufiger und hingen bei fast allen Formen mit Schlaflosigkeit, Angst und depressiven Symptomen zusammen — ein Muster, das eher auf Belastung und gestörten Schlaf hinweist als auf eine eigenständige Krankheit.

Die Auslöser beim Erwachsenen — und der eine, der oft übersehen wird
In der britischen Erhebung wurden die Faktoren berechnet, die unabhängig mit einem Nachtschreck zusammenhingen. Die Reihenfolge ist für Erwachsene aufschlussreich:
- Das subjektive Gefühl, nachts keine Luft zu bekommen oder blockiert zu sein — der stärkste Zusammenhang der gesamten Auswertung.
- Eine obstruktive Schlafapnoe. Ebenfalls deutlich erhöht. Das ergibt physiologisch Sinn: Jede Atempause endet mit einem abrupten Weckreiz, und genau solche Weckreize sind der Zündfunke für Aufwachstörungen. Wer als Erwachsener neu einen Nachtschreck entwickelt und zugleich schnarcht oder morgens wie gerädert aufwacht, sollte die Atmung in der Nacht prüfen lassen.
- Alkohol vor dem Zubettgehen. Ein klarer und leicht zu ändernder Faktor.
- Häufige Albträume — was zeigt, dass beides bei derselben Person vorkommen kann, auch wenn es verschiedene Dinge sind.
- Verletzende oder gewalttätige Bewegungen im Schlaf und hypnagoge Halluzinationen beim Einschlafen, beides typische Begleiter von Parasomnien. Mehr dazu unter hypnagoge Halluzinationen.
- Schlafmangel und unregelmäßige Zeiten. In der Forschung der stärkste experimentelle Auslöser für Aufwachstörungen überhaupt.
- Stress und psychische Belastung. Sie erklären die Häufung in Lebensphasen mit Druck, aber sie sind selten die alleinige Ursache.
- Fieber, Schmerzen und eine volle Blase — alles, was in der falschen Sekunde aus dem Tiefschlaf reißt.
Ist Nachtschreck bei Erwachsenen gefährlich?
Die Episode selbst ist es nicht: Herz und Kreislauf halten den kurzen Ausschlag aus, es gibt keinen Hinweis auf bleibende Schäden, und ein Nachtschreck ist weder ein Anfallsleiden noch ein Zeichen für eine beginnende psychische Erkrankung. Gefährlich ist, was währenddessen passieren kann. Eine große europäische Untersuchung mit 19.961 Befragten hat das für gewalttätiges Verhalten im Schlaf beziffert: 1,6 Prozent berichteten solche Episoden, und 31,4 Prozent von ihnen hatten sich dabei selbst oder jemand anderen verletzt. Nur 12,3 Prozent hatten deswegen je einen Arzt aufgesucht. In fast drei Vierteln der Fälle bestand gleichzeitig eine andere Parasomnie, am häufigsten Schlafwandeln und Nachtschreck.
Praktisch heißt das: Das Risiko liegt in Stürzen, im Anstoßen an Möbeln, im Aufspringen und im unkontrollierten Um-sich-Schlagen beim Versuch, die Person zu beruhigen. Wer daneben schläft, sollte wissen, dass Festhalten die häufigste Ursache für Verletzungen auf beiden Seiten ist.
Was du in der Nacht tun solltest — und was nicht
- Nicht wecken. Der Versuch verlängert die Episode und löst Abwehr aus. Die Person ist in wenigen Minuten von selbst durch.
- Nicht festhalten. Nur eingreifen, wenn akute Verletzungsgefahr besteht, und dann nur lenkend, nicht blockierend.
- Leise und ruhig sprechen, in kurzen Sätzen, ohne Fragen.
- Den Weg sichern. Nachttisch frei räumen, Kabel weg, Fenster und Wohnungstür nachts verschlossen, bei Treppen ein Gitter.
- Am Morgen nicht verhören. Es ist nichts zu erinnern. Schreib stattdessen Uhrzeit und Dauer auf — nach vier Wochen siehst du ein Muster.
- An den Auslösern arbeiten. Ausreichend Schlaf, feste Zeiten, kein Alkohol am Abend, Störquellen aus dem Schlafzimmer.
Wenn du wissen willst, wann genau die Episoden liegen und ob sie mit Schnarchen oder Atempausen zusammenfallen, ist eine Tonaufnahme der Nacht das einfachste Hilfsmittel. SleepTrace nimmt die Nacht auf dem iPhone auf und markiert die lauten Stellen, sodass du morgens Uhrzeit und Geräusch zusammen siehst. Das stellt keine Diagnose und misst keine Hirnströme — aber es beantwortet genau die Fragen, die in der Sprechstunde als Erstes kommen.
Ärztlich abklären lassen solltest du einen Nachtschreck, der im Erwachsenenalter neu beginnt, der mehrmals pro Woche auftritt, der zu Verletzungen führt, der in der zweiten Nachthälfte liegt oder bei dem die Bewegungen stereotyp und immer gleich ablaufen — Letzteres kann auf nächtliche Anfälle hinweisen und gehört in die Neurologie. Ebenfalls abklären: Nachtschreck zusammen mit Schnarchen, beobachteten Atempausen oder starker Tagesmüdigkeit.
Häufige Fragen
Die Episode selbst ist harmlos — Herzrasen und Panik dauern nur Minuten und hinterlassen keinen Schaden. Gefährlich ist, was dabei passieren kann: Stürze aus dem Bett, Anstoßen an Möbeln und Verletzungen beim Versuch, die Person festzuhalten. In einer europäischen Erhebung mit 19.961 Befragten gaben 1,6 Prozent gewalttätiges Verhalten im Schlaf an, und knapp ein Drittel von ihnen hatte sich oder jemand anderen dabei verletzt. Ein sicheres Schlafzimmer ist deshalb die wichtigste Maßnahme.
Ein Albtraum kommt aus dem REM-Schlaf in der zweiten Nachthälfte: Man wacht vollständig auf, ist sofort orientiert und kann den Traum erzählen. Ein Nachtschreck kommt aus dem Tiefschlaf im ersten Nachtdrittel: Die Person schreit und fährt hoch, ist aber nicht ansprechbar, schläft nach Minuten weiter und hat am Morgen keine Erinnerung. Die einfachste Unterscheidungsfrage lautet deshalb: Kann sie erzählen, was sie geträumt hat?
Ein neu auftretender Nachtschreck im Erwachsenenalter hat fast immer einen Auslöser. Am häufigsten sind chronischer Schlafmangel, unregelmäßige oder verschobene Schlafzeiten, Alkohol am Abend, starke psychische Belastung und bestimmte Medikamente. Dazu kommt ein Faktor, der oft übersehen wird: nächtliche Atemaussetzer. In einer britischen Bevölkerungsstudie war das Gefühl, nachts keine Luft zu bekommen, der stärkste Einzelzusammenhang mit Nachtschreck, gefolgt von einer diagnostizierten Schlafapnoe.
Nein. Wecken verlängert die Episode, macht die Verwirrung größer und löst häufig Abwehr aus — die meisten Verletzungen entstehen genau dabei. Richtig ist, ruhig zu bleiben, leise zu sprechen, Gefahrenquellen wegzuräumen und zu warten; nach wenigen Minuten ist es vorbei. Eingreifen solltest du nur, wenn die Person sich sonst verletzen würde, und dann lenkend statt festhaltend.
Quellen
- Ohayon MM, Guilleminault C, Priest RG. Night terrors, sleepwalking, and confusional arousals in the general population: their frequency and relationship to other sleep and mental disorders. J Clin Psychiatry (1999). Europe PMC
- Ohayon MM, Schenck CH. Violent behavior during sleep: prevalence, comorbidity and consequences. Sleep Med (2010). Europe PMC
- Drugli EH, et al. Prevalence of different parasomnias in the general Norwegian population, and their association with insomnia, anxiety, and depression. A cross-sectional web-panel survey. Front Sleep (2026). Europe PMC
- Sandman N, et al. Nightmares: Prevalence among the Finnish General Adult Population and War Veterans during 1972-2007. Sleep (2013). Europe PMC
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