Hypnopompe Halluzinationen sind kurze Bilder, Stimmen oder Empfindungen in den Momenten nach dem Aufwachen, etwa eine Gestalt am Bett oder ein Schatten. Sie sind das Gegenstück zu den hypnagogen Halluzinationen beim Einschlafen und häufig: In einer britischen Befragung berichteten 12,5 Prozent davon. Sie kamen häufiger bei Schlaflosigkeit, Tagesschläfrigkeit und psychischen Erkrankungen vor. Mit Schlafparalyse, plötzlichem Einschlafen am Tag oder starker Belastung gehören sie abgeklärt.
Du wachst auf, und für einen Moment ist da eine Gestalt am Bett oder ein Schatten an der Decke. Dann, nach ein paar Sekunden, ist es weg. Das sind hypnopompe Halluzinationen: kurze Sinneseindrücke direkt nach dem Aufwachen. Sie sind das Gegenstück zu den hypnagogen Halluzinationen beim Einschlafen und häufig, in der Regel ohne Krankheitswert. Der Hintergrund ist im Wikipedia-Artikel über die Hypnopompie beschrieben.
Hypnopompe Halluzinationen: was passiert da
Eine verbreitete Erklärung ist, dass beim Aufwachen der Traummodus des Gehirns noch ein paar Sekunden nachläuft, während du schon wach genug bist, die Bilder wahrzunehmen. Der REM-Schlaf, die Traumphase, ist morgens am dichtesten. Belegt im engeren Sinn ist das nicht, eine Fachübersicht sieht keine ausreichenden Belege dafür, dass Halluzinationen allgemein auf REM-Einbrüche zurückgehen. Meist sind es flüchtige, oft schattenhafte Eindrücke, die sich binnen Sekunden auflösen.
Wann sie mehr bedeuten
Gelegentliche hypnopompe Halluzinationen sind verbreitet; in einer großen Befragung kamen sie häufiger bei Schlaflosigkeit und Tagesschläfrigkeit vor. Auffällig werden sie, wenn sie zusammen mit Schlafparalyse auftreten: dem Gefühl, wach zu sein, sich aber nicht bewegen zu können, während eine Gestalt im Raum ist. Genau diese Kombination wird in Schlafparalyse: Ursachen & was tun erklärt. Und wie bei den hypnagogen gilt: mit starker anhaltender Tagesschläfrigkeit ist ein Arztblick sinnvoll.


Wo SleepTrace passt
SleepTrace erkennt hypnopompe Halluzinationen nicht. Die App hört nur Geräusche und schätzt daraus Schlafphasen, eine Schätzung; die Phase vor dem Aufwachen ist deshalb nur ein grober Hinweis. Ein Notizbuch am Bett sagt mehr.
Wie häufig sind hypnopompe Halluzinationen?
Häufiger, als die meisten vermuten. Eine telefonische Befragung von 4.972 Menschen in Großbritannien (15 bis 100 Jahre) ergab, dass 37 Prozent schon hypnagoge Halluzinationen beim Einschlafen erlebt hatten und 12,5 Prozent hypnopompe beim Aufwachen. Beide kamen häufiger vor bei Menschen mit Schlaflosigkeit, übermäßiger Tagesschläfrigkeit oder psychischen Erkrankungen. Die Narkolepsie, bei der solche Erlebnisse typisch sind, wurde in derselben Studie auf 0,04 Prozent geschätzt, die Zahl der Erlebnisse ist also viel zu groß, um allein durch sie erklärt zu werden. Bei Menschen mit starker Tagesschläfrigkeit könnten hypnopompe Halluzinationen allerdings ein besserer Hinweis auf Narkolepsie sein als hypnagoge.
Ohayon MM, Priest RG, Caulet M, Guilleminault C. Hypnagogic and hypnopompic hallucinations: pathological phenomena? Br J Psychiatry 1996. PMID 8894197
Was Menschen dabei erleben: drei Muster
Wer die Bilder zusammen mit einer Schlaflähmung erlebt, beschreibt oft ähnliche Dinge, über Kulturen und Zeiten hinweg. Eine Auswertung mit mehreren großen Stichproben fand drei Gruppen: Erstens den Eindringling, bestehend aus dem Gefühl einer Anwesenheit, Angst sowie gesehenen und gehörten Wahrnehmungen. Zweitens den Albdruck mit Druck auf der Brust, Atemgefühl und Schmerz. Drittens ungewöhnliche Körpererlebnisse wie Schweben, Fliegen, das Gefühl, den Körper zu verlassen, und Glücksgefühle. Die Autoren führen den Eindringling auf einen Alarmzustand im Mittelhirn zurück und den Albdruck auf die Muskelhemmung des REM-Schlafs, das sind Vermutungen.
Cheyne JA, Rueffer SD, Newby-Clark IR. Hypnagogic and hypnopompic hallucinations during sleep paralysis: neurological and cultural construction of the night-mare. Conscious Cogn 1999. PMID 10487786
Wie häufig die Schlaflähmung selbst ist, fasst eine Übersicht aus 35 Studien mit insgesamt 36.533 Personen zusammen: 7,6 Prozent der Allgemeinbevölkerung, 28,3 Prozent der Studierenden und 31,9 Prozent der psychiatrischen Patienten hatten mindestens eine Episode erlebt.
Sharpless BA, Barber JP. Lifetime prevalence rates of sleep paralysis: a systematic review. Sleep Med Rev 2011. PMID 21571556
Was sie von Halluzinationen im Wachzustand unterscheidet
Der Wortteil Halluzination führt in die Irre. Ein Fachartikel, der Erlebnisse beim Ein- und Aufwachen mit Halluzinationen bei Parkinson, Schizophrenie und Augenerkrankungen vergleicht, nennt zwei Unterschiede. Wahrnehmungen im Schlaf sind eintauchend und von der Wirklichkeit weitgehend abgeschnitten, während Halluzinationen im Wachzustand einzelne Eindrücke sind, die sich über die echte Umgebung legen. Und beim Schlaf sind nur bestimmte Hirnnetzwerke beteiligt. Dass die meisten Halluzinationen auf eine Störung des REM-Schlafs zurückgehen, sehen die Autoren nicht als belegt.
Waters F, Blom JD, Dang-Vu TT, Cheyne AJ, Alderson-Day B, Woodruff P, Collerton D. What Is the Link Between Hallucinations, Dreams, and Hypnagogic-Hypnopompic Experiences? Schizophr Bull 2016. PMID 27358492
Ärztlich oder in einer Schlafambulanz abklären lassen solltest du die Erlebnisse, wenn du tagsüber plötzlich einschläfst, bei Lachen oder Ärger die Kraft in den Muskeln verlierst, auch tagsüber Dinge siehst oder hörst, die nicht da sind, oder wenn dich die Episoden stark belasten. Dasselbe gilt, wenn sie nach einem Medikamentenwechsel beginnen.
Was du bei einer Episode notieren kannst
- Was du gesehen, gehört oder gespürt hast und wie lange es dauerte.
- Ob du dich bewegen konntest oder gelähmt warst. Dann gehört der Fall zu Schlafparalyse: Ursachen und was tun.
- Wie lange du in den Tagen davor geschlafen hast und ob du unruhig aufgewacht bist.
- Ob ein ähnliches Erlebnis auch beim Einschlafen auftritt, siehe Hypnagoge Halluzinationen.
Die Notizen helfen bei der Entscheidung, ob ein Arztbesuch nötig ist, und liefern dort die Fakten, die Erinnerungen allein nicht tragen. Wie die Schlafphasen im Lauf der Nacht aufgebaut sind, zeigt REM-Schlaf.
Häufige Fragen
Sie sind häufig und meist harmlos. Eine verbreitete Erklärung ist, dass dein Gehirn beim Aufwachen noch teilweise im REM-Traum ist, während die Augen schon offen sind. Eine Abklärung lohnt sich vor allem, wenn sie häufig, belastend oder zusammen mit Schlafattacken am Tag auftreten.
Hypnopompe Halluzinationen treten beim Aufwachen auf, hypnagoge beim Einschlafen. Beide werden oft mit einer Überschneidung von Traum und Wachbewusstsein erklärt und sind meist harmlos.
In Einzelfallberichten wurden Halluzinationen beim Aufwachen im Zusammenhang mit Medikamenten beschrieben. Sprich Medikamente und neu aufgetretene Erlebnisse mit der verordnenden Ärztin an und ändere sie nicht selbst.
In einer Befragung von 4.972 Menschen in Großbritannien berichteten 12,5 Prozent von hypnopompen Halluzinationen beim Aufwachen und 37 Prozent von hypnagogen beim Einschlafen. Sie waren häufiger bei Schlaflosigkeit, Tagesschläfrigkeit und psychischen Erkrankungen.
Beschrieben werden gespürte Anwesenheit mit Angst und Bildern oder Geräuschen, Druck auf der Brust mit Atemgefühl und manchmal Schweben oder das Gefühl, den Körper zu verlassen. Die Erlebnisse sind über Kulturen hinweg ähnlich.
Meist nicht. Sie kommen auch bei vielen gesunden Menschen vor. Sie sind aber häufiger bei Menschen mit psychischen Erkrankungen. Treten sie mit Tagesschläfrigkeit, Einschlafattacken oder Halluzinationen am Tag auf oder belasten sie stark, solltest du sie abklären lassen.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
Nach so einer Episode hilft es, Fakten neben das Erlebte zu legen. SleepTrace nimmt die Nacht als Ton auf, markiert Sprechen und Geräusche mit Uhrzeit und zeigt, wie fragmentiert der Schlaf davor war. Was du gesehen hast, erkennt die App nicht; häufige Episoden gehören in ein Arztgespräch.
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