Melatonin bei Herzinsuffizienz ist seit November 2025 ein Thema, weil eine Kongress-Kurzfassung der American Heart Association bei Menschen mit Insomnie, die ein Jahr lang Melatonin nutzten, ein um rund 89 Prozent höheres Risiko für Herzinsuffizienz meldete. Sie ist beobachtend, nicht begutachtet und kann keine Ursache belegen. Eine Gegenanalyse mit US-Gesundheitsumfragedaten fand keinen signifikanten Zusammenhang. Wer Melatonin nimmt und Herzprobleme oder Bluthochdruck hat, bespricht es mit der behandelnden Praxis, setzt aber nichts eigenmächtig ab.
Melatonin gilt vielen als harmloses Einschlafmittel aus der Drogerie. Seit November 2025 steht die Frage im Raum, ob das für Herzkranke gilt: Melatonin bei Herzinsuffizienz, also bei einem Herzen, das nicht mehr genug Blut pumpt. Auslöser war eine Kongress-Kurzfassung, die in den Medien als Warnung ankam. Dieser Text ordnet sie ein, stellt eine Gegenanalyse daneben und sammelt, was andere Studien zu Herz und Blutdruck zeigen. Er enthält keine Dosisangaben und keine Empfehlung für oder gegen Melatonin; das ist eine Sache zwischen dir und der Praxis.
Melatonin bei Herzinsuffizienz: was die Kurzfassung der American Heart Association meldete
Die Kurzfassung „Effect of Long-term Melatonin Supplementation on Incidence of Heart Failure in Patients with Insomnia“ (Erstautor Ekenedilichukwu Nnadi) wurde bei den Scientific Sessions der American Heart Association im November 2025 vorgestellt. Nach der Zusammenfassung des Science Media Centre beruht sie auf dem TriNetX-Netzwerk mit Daten aus Großbritannien und den USA und betrachtet Erwachsene mit Insomnie-Diagnose. Für das Neuauftreten einer Herzinsuffizienz innerhalb von fünf Jahren berichtet sie bei mindestens einem Jahr Melatonin ein Hazard Ratio von 1,89 (also einen um 89 Prozent höheren Risikowert) im Vergleich zu Patienten ohne Melatonin. Für Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz nennt der Abstract ein eigenes Hazard Ratio von 3,44 (19,0 gegenüber 6,6 Prozent). Die Zusammenfassung des Science Media Centre nennt Stichprobengröße und Konfidenzintervalle nicht; im Abstract stehen je 65.414 Personen pro Gruppe und ein 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,78 bis 2,00 für den Wert 1,89.
Der spanische Schlafmediziner Carlos Egea ordnete sie im Science Media Centre so ein: Beobachtungsstudien zeigen nur Assoziationen. Außerdem könne die Vergleichsgruppe ohne Melatonin viele Menschen enthalten, die es rezeptfrei nehmen, was die Daten verzerren würde, und eine Kongress-Kurzfassung sei nicht von zwei unabhängigen Gutachtern geprüft wie ein Fachartikel. Er hält die Ergebnisse für ein Argument, Melatonin nicht als harmlose Dauertherapie zu betrachten, und fordert eine kontrollierte Studie. Quelle: Science Media Centre, Stellungnahmen zur Kurzfassung (am 2. November 2026 geöffnet).
Warum solche Zusammenhänge schwer zu deuten sind
Die Schwäche solcher Daten ist nicht Böswilligkeit, sondern Methodik. Eine kommentierende Arbeit in Open Heart nennt drei Verzerrungsquellen. Erstens Confounding by Indication: Wer Melatonin nimmt, hat meist eine stärkere Insomnie, mehr depressive oder ängstliche Symptome und häufiger Kontakt zum Gesundheitssystem, und all das hängt selbst mit dem Herzen zusammen. Zweitens umgekehrte Kausalität: Herzbeschwerden können den Schlaf stören und zur Melatonin-Einnahme führen, nicht umgekehrt. Drittens Fehlklassifikation der Einnahme, weil rezeptfreies Melatonin in Gesundheitsdaten oft nicht erscheint.
Das heißt nicht, dass die Kurzfassung falsch ist. Es heißt, dass sie aus sich heraus nicht zwischen „Melatonin schadet“ und „wer Melatonin braucht, ist ohnehin häufiger krank“ unterscheiden kann.
Die Gegenanalyse mit NHANES
Die genannte Arbeit in Open Heart legte der Kurzfassung eine Analyse der US-Gesundheitsumfrage NHANES (1999 bis 2018, repräsentativ für Erwachsene in den USA) entgegen. Melatonin-Nutzer unterschieden sich schon zu Beginn deutlich von Nichtnutzern, besonders bei Schlafstörungen und Depression. In gewichteten Modellen mit Mehrfachimputation war kürzliche Melatonin-Einnahme nicht signifikant mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung (zusammengefasst) oder Herzinsuffizienz verbunden. Die Autoren betonen, dass dies ein Gegengewicht zur Warnung ist und kein Beleg für Nutzen oder Schaden. Sie halten fest, dass die verfügbaren Beobachtungsdaten weder einen kardiovaskulären Nutzen noch einen sicheren Schaden belegen, und raten Praxen, rezeptfreie Einnahme zu erfragen, pragmatisch zu beraten und zugrunde liegende Schlafstörungen abzuklären.
Khan B, Lima BB. Melatonin and cardiovascular risk: an NHANES reality check after recent heart failure concerns. Open Heart 2026. PMID 42167796
Zur Methode: Mehrfachimputation bedeutet, dass fehlende Angaben nicht weggelassen, sondern mehrfach statistisch geschätzt werden, damit keine Teilnehmer ausfallen; „gewichtet“ heißt, dass die Stichprobe so hochgerechnet wird, dass sie die US-Bevölkerung abbildet. Beides macht die Analyse robuster, ändert aber nichts an der Grenze einer Befragung: Sie fragt, wer was nimmt und wer welche Diagnose hat, nicht, was zuerst da war.
Zu beachten: Die NHANES-Analyse betrachtet bestehende Erkrankungen zum Zeitpunkt der Befragung, nicht das Neuauftreten über Jahre wie die Kurzfassung. Beide Datensätze beantworten also nicht dieselbe Frage. Wer sagt, die eine „widerlege“ die andere, überzieht.
Herzinsuffizienz und Schlaf: warum die Kombination ohnehin häufig ist
Wer Herzinsuffizienz hat, schläft oft schlecht, und das hat mit dem Herzen selbst zu tun. Das SchlaHF-XT-Register untersuchte 3.289 Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz, die nach den aktuellen Leitlinien behandelt wurden. Mit tragbaren Messgeräten fanden die Untersucher bei 36 Prozent der Menschen mit erhaltener Auswurffraktion eine mittelschwere bis schwere Atmungsstörung im Schlaf (Apnoe-Hypopnoe-Index ab 15 pro Stunde), bei 41 Prozent bei leicht reduzierter und bei 48 Prozent bei stark reduzierter Auswurffraktion. Männer waren häufiger betroffen als Frauen (zum Beispiel 41 gegenüber 28 Prozent bei erhaltener Auswurffraktion). Zu den Vorhersagefaktoren zählten männliches Geschlecht, höheres Alter, höherer Body-Mass-Index und eine fortgeschrittenere Herzschwäche (NYHA-Klasse III/IV).
Arzt M, Oldenburg O, Graml A, et al. Prevalence and predictors of sleep-disordered breathing in chronic heart failure: the SchlaHF-XT registry. ESC Heart Fail 2022. PMID 36052740
Für die Melatonin-Frage ist das wichtig, weil es zeigt, wie viele Faktoren bei Herzschwäche und Schlaf gleichzeitig wirken: Atemstörungen, Medikamente, Atemnot beim Liegen, nächtlicher Harndrang. Wer in einer Datenbank mit Melatonin und Herzinsuffizienz auftaucht, kann Schlafprobleme aus mehreren dieser Gründe haben, die nichts mit dem Melatonin zu tun haben müssen. Die zentrale Schlafapnoe, die bei Herzschwäche vorkommt, beschreibt Zentrale Schlafapnoe.
Was randomisierte Studien bei Herzpatienten zeigen
Zu Melatonin bei Herzerkrankungen gibt es auch kontrollierte Studien, allerdings mit anderer Fragestellung. Eine Meta-Analyse von 14 randomisierten Studien mit zusammen 1.027 Teilnehmern mit Herz-Kreislauf-Erkrankung verglich Melatonin mit Placebo oder Standardbehandlung. Melatonin verbesserte die Veränderung der Auswurffraktion der linken Herzkammer um 3,95 Prozentpunkte (Konfidenzintervall 1,70 bis 6,20), am deutlichsten in Studien zur Bypass-Operation. Der Endwert der Auswurffraktion, der Troponinwert und die Infarktgröße zeigten keinen durchgehenden Vorteil. Die Autoren schließen, dass der Nutzen nicht konsistent belegt ist.
Ang SP, Chia JE, Thirupathy U, et al. Melatonin Supplementation and Cardiovascular Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Trials. J Clin Med 2026. PMID 42123177
Die Fragestellung dieser Studien war die Herzfunktion, vor allem rund um Bypass-Operation und Herzinfarkt, nicht die Langzeitsicherheit einer jahrelangen Einnahme gegen Schlafprobleme. Sie widersprechen der Kurzfassung damit nicht und bestätigen sie auch nicht; sie beantworten eine andere Frage.
Melatonin und Blutdruck: was Meta-Analysen zeigen
Häufig wird gefragt, ob Melatonin den Blutdruck verändert. Eine Meta-Analyse von fünf randomisierten Studien fand nach Melatonin gegenüber der Kontrollgruppe einen niedrigeren systolischen (Mittelwertdifferenz minus 3,43 mmHg) und diastolischen Blutdruck (minus 3,33 mmHg). Die Autoren sehen darin einen günstigen Effekt auf die Blutdruckregulation.
Hadi A, Ghaedi E, Moradi S, et al. Effects of Melatonin Supplementation On Blood Pressure: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Horm Metab Res 2019. PMID 30861561
Eine zweite Meta-Analyse von vier Studien bei Menschen mit Bluthochdruck war vorsichtiger: Nur retardiertes (kontrolliert freisetzendes) Melatonin, nicht das schnell freisetzende, senkte den systolischen Blutdruck im Schlaf, im Mittel um 3,57 mmHg, wobei das Konfidenzintervall (minus 7,88 bis plus 0,73) die Null einschließt. Melatonin verbesserte Schlafeffizienz und Gesamtschlafzeit und wurde als sicher und gut verträglich beschrieben; die Evidenzqualität stufen die Autoren als niedrig bis sehr niedrig ein, und keine Studie berichtete Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Lee EK, Poon P, Yu CP, et al. Controlled-release oral melatonin supplementation for hypertension and nocturnal hypertension: A systematic review and meta-analysis. J Clin Hypertens (Greenwich) 2022. PMID 35388609
Für die Frage „Melatonin und Blutdruck“ heißt das: Die kleinen Effekte in den Studien gehen eher in Richtung leichte Senkung, aber die Datenlage ist dünn, und wer Blutdruckmedikamente nimmt, sollte Zusätze mit Praxis oder Apotheke abstimmen. Mehr zu Bluthochdruck und Schlaf steht unter Schlafstörungen und Bluthochdruck.
Nebenwirkungen von Melatonin: was Meldedaten zeigen
Für die allgemeine Sicherheit gibt es Auswertungen von Verdachtsmeldungen. Eine Studie mit der WHO-Datenbank VigiBase wertete 35.479 Meldungen zu Melatonin zwischen 1996 und 2022 aus. Im Vergleich zu allen anderen Arzneimitteln zeigten sich Signale für Unfälle und Verletzungen (bereinigtes Reporting Odds Ratio 2,97), Stürze (2,24), Albträume (4,90) und ungewöhnliche Träume (3,68); im Vergleich mit anderen Schlafmitteln traten diese Signale nicht auf. Das Sicherheitsprofil sei dem anderer Schlafmittel vergleichbar, es gebe aber unerwartete Signale, die weiterer Untersuchung bedürfen. Meldedaten beweisen keinen Zusammenhang, weil nur gemeldet wird, was jemand für einen Zusammenhang hält; das Reporting Odds Ratio vergleicht Meldehäufigkeiten, nicht die Häufigkeit von Erkrankungen, und hängt auch davon ab, wie bekannt ein Mittel und seine möglichen Nebenwirkungen sind. Nebenwirkungen und Überdosierung beschreibt Melatonin: Nebenwirkungen und Fakten.
Ha M, Yoon D, Lee CY, et al. Investigating the safety profiles of exogenous melatonin and associated adverse events: A pharmacovigilance study using WHO-VigiBase. J Pineal Res 2024. PMID 38528668
Zur Einordnung der Rolle von Melatonin gegen Schlafstörungen: Die europäische Leitlinie zur Insomnie von 2017 empfiehlt Melatonin nicht zur Behandlung der Insomnie (Empfehlungen mit niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität) und nennt die kognitive Verhaltenstherapie als erste Wahl. Das ist eine Aussage über den Nutzen, nicht über Gefahren für das Herz.
Riemann D, Baglioni C, Bassetti C, et al. European guideline for the diagnosis and treatment of insomnia. J Sleep Res 2017. PMID 28875581
Was das für dich bedeuten kann
- Nichts eigenmächtig ändern. Weder Melatonin noch Herzmedikamente absetzen oder dazunehmen. Wer wegen Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck behandelt wird, sagt der Praxis, dass er Melatonin nimmt, auch wenn es rezeptfrei ist.
- Den Grund für die Einnahme klären. Wer Melatonin dauerhaft zum Einschlafen braucht, hat ein Schlafproblem, das ein eigenes Gespräch verdient. Atempausen und nächtliche Herzbeschwerden gehören ebenfalls dazu: Nachts aufwachen mit Herzrasen.
- Keine Panik wegen einer Schlagzeile. Die Kurzfassung ist ein Signal, das geprüft werden muss, kein Urteil. Die Gegenanalyse zeigt, wie stark die Deutung von der Methode abhängt.
- Neue Beschwerden ernst nehmen. Atemnot beim Hinlegen, geschwollene Beine oder rasche Gewichtszunahme gehören unabhängig von Melatonin in die Praxis. Bei akuter Atemnot oder Brustschmerz gilt der Notruf 112.
Dieser Text beschreibt Studien. Er gibt keine Dosis und keinen Rat, Melatonin einzunehmen oder abzusetzen. Das entscheidet die behandelnde Praxis anhand deiner Herzerkrankung und deiner Medikamente.
Wie du eine Gesundheitsschlagzeile zu Melatonin liest
Vier Fragen helfen, eine Meldung einzuordnen, nicht nur diese:
- Welche Gruppe wurde betrachtet? Menschen mit Insomnie sind anders als Gesunde. Ein Vergleich von „Melatonin ja/nein“ vergleicht dann auch unterschiedlich kranke Gruppen.
- Wie wurde die Einnahme erfasst? Per Rezept oder per Befragung. Wer Melatonin frei kauft, fehlt in Rezeptdaten, und damit gerät eine Einnahmegruppe in die Vergleichsgruppe.
- Wo wurde es veröffentlicht? Eine Kongress-Kurzfassung ist ein erster Zwischenstand; Fachartikel werden von unabhängigen Gutachtern geprüft.
- Relatives oder absolutes Risiko? „89 Prozent höher“ ist ein relativer Wert. Er sagt nicht, wie viele Menschen betroffen sind; ein hohes relatives Risiko kann bei seltenen Ereignissen wenige Betroffene bedeuten. In der Zusammenfassung des Science Media Centre fehlt der absolute Wert; der Abstract nennt 4,6 gegenüber 2,7 Prozent in fünf Jahren.
Mit diesen Fragen lässt sich auch die Gegenanalyse einordnen: Sie ist ebenfalls eine Beobachtung, auch sie kann Ursache und Wirkung nicht trennen. Sie zeigt aber, dass die Warnung nicht in jedem Datensatz sichtbar wird.
Was die App bei Melatonin und Herzfragen zeigt (und was nicht)
SleepTrace hört nur den Ton der Nacht und schätzt daraus Schlafphasen; die App erkennt Schnarchen, Sprechen und Husten und speichert dafür kurze Clips (Free-Plan: 3 abspielbare Clips pro Monat). Nächtlicher Husten und Unruhe im Ton sind Dinge, die du mit der Praxis besprechen kannst. Bei möglichen Atempausen setzt die App nur einen Zeitstempel; der Schlafapnoe-Indikator zeigt eine Risikostufe als Screening und stellt keine Diagnose. Herzinsuffizienz, Atemnot, Blutdruck und die Wirkung von Melatonin erkennt die App nicht; Herzfrequenz und Herzratenvariabilität gibt es nur mit gekoppelter Apple Watch. Sie läuft auf iPhone und Android; die App muss geöffnet bleiben (der Bildschirm dimmt), das Handy gehört ans Ladegerät.
Melatonin und Herzprobleme: was Studien zu Herzinfarkt, Blutdruck und Herzfrequenz sagen
Wer „Melatonin Herzprobleme“ sucht, meint oft zwei verschiedene Fragen: Schadet Melatonin einem kranken Herzen, und hilft es einem kranken Herzen? Zur zweiten Frage gibt es eine randomisierte Studie mit Melatonin bei akutem Herzinfarkt, die MARIA-Studie. 146 Menschen mit einem ST-Hebungsinfarkt, der bis zu sechs Stunden zurücklag, erhielten bei der Ballonaufdehnung der Herzkranzgefäße Melatonin in die Vene und in die Herzkranzgefäße oder Placebo. Ziel war es, den Schaden durch die Wiederdurchblutung zu verringern. Die Infarktgröße im MRT unterschied sich weder nach 6 Tagen noch nach 130 Tagen. Die Pumpleistung des Herzens erholte sich in der Placebo-Gruppe sogar stärker (60,0 gegenüber 53,1 Prozent, p = 0,008), und die Herzkammervolumina waren dort kleiner. Die Rate unerwünschter Ereignisse nach einem Jahr war in beiden Gruppen vergleichbar.
Dominguez-Rodriguez A, Abreu-Gonzalez P, de la Torre-Hernandez JM, et al. Effect of intravenous and intracoronary melatonin as an adjunct to primary percutaneous coronary intervention for acute ST-elevation myocardial infarction: Results of the Melatonin Adjunct in the acute myocaRdial Infarction treated with Angioplasty trial. J Pineal Res 2017. PMID 27736028
Diese Studie sagt wenig über das Schlafmittel aus der Drogerie. Es ging um Gaben im Krankenhaus direkt ins Gefäß, nicht um Tabletten am Abend, und um Menschen im akuten Infarkt. Sie zeigt nur, dass Melatonin in dieser Anwendung dem Herzen nicht nutzte und dass dabei keine Giftigkeit auffiel.
Zur Frage der Verträglichkeit bei Herz und Kreislauf lohnt der Blick in eine Übersicht der kontrollierten Studien. Sie wertete 50 Studien mit Melatonin zum Einnehmen auf unerwünschte Ereignisse aus. In 26 fanden sich keine statistisch auffälligen Ereignisse, in 24 mindestens eines. Die Ereignisse waren meist leicht, kurz und gut beherrschbar. Einige Studien nannten Auffälligkeiten bei Blutdruck und Herzfrequenz, die von der Dosis, vom Zeitpunkt der Einnahme und von Wechselwirkungen mit Blutdruckmitteln abhängen könnten. Mehr als Hinweise sind das nicht.
Foley HM, Steel AE. Adverse events associated with oral administration of melatonin: A critical systematic review of clinical evidence. Complement Ther Med 2019. PMID 30670284
Daraus ergibt sich für Menschen mit Herzproblemen keine Empfehlung für oder gegen Melatonin, sondern ein konkreter Gesprächsanlass: Wer Blutdruckmittel nimmt, nennt die Melatonin-Einnahme der Praxis, auch wenn sie rezeptfrei ist, und ändert nichts auf eigene Faust. SleepTrace beantwortet die Frage nach dem Herzen nicht. Die App schätzt Schlafphasen aus dem Ton und markiert mögliche Atempausen mit Zeitstempel, einen Herzbefund liefert sie nicht.
Häufige Fragen
Das ist nicht geklärt. Eine Kongress-Kurzfassung der American Heart Association 2025 meldete einen um 89 Prozent höheren Risikowert für Herzinsuffizienz bei Insomnie-Patienten mit Melatonin, eine NHANES-Analyse fand keinen signifikanten Zusammenhang. Beide sind Beobachtungen und können keine Ursache belegen.
Ein Kongressbeitrag (Erstautor Nnadi), der Daten des TriNetX-Netzwerks zu Erwachsenen mit Insomnie auswertete. Er ist beobachtend, wurde nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet und könnte durch rezeptfreie Einnahme in der Vergleichsgruppe verzerrt sein.
Das entscheidet die behandelnde Praxis, nicht dieser Text. Sprich die Einnahme an, auch wenn sie rezeptfrei ist, und ändere nichts eigenmächtig.
Meta-Analysen randomisierter Studien fanden kleine Senkungen: minus 3,43 mmHg systolisch und minus 3,33 mmHg diastolisch in einer Analyse von fünf Studien. In einer zweiten Analyse mit vier Studien war nur retardiertes Melatonin im Schlaf wirksam (minus 3,57 mmHg), das Konfidenzintervall schloss Null ein. Die Evidenz ist niedrig.
Die europäische Leitlinie zur Insomnie von 2017 empfiehlt Melatonin nicht zur Behandlung der Insomnie und nennt die kognitive Verhaltenstherapie als erste Wahl. Über Medikamente entscheidet die behandelnde Praxis.
146 Menschen mit akutem Herzinfarkt erhielten bei der Ballonaufdehnung Melatonin in Vene und Herzkranzgefäße oder Placebo. Die Infarktgröße unterschied sich nicht, und die Pumpleistung erholte sich in der Placebo-Gruppe stärker. Die Studie betrifft die Gabe im Krankenhaus und lässt sich nicht auf Tabletten zum Schlafen übertragen.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
Eine Kongress-Kurzfassung ist kein Grund, auf eigene Faust abzusetzen, und auch keiner, das Herz zu ignorieren. Sprich mit der Praxis, die dich betreut; SleepTrace nimmt nur Ton auf und zeigt geschätzte Schlafphasen, Schnarchen und mögliche Atempausen als Uhrzeit, damit du deine Nächte beschreiben kannst. Dein Herz misst die App nicht und sagt nicht, ob Melatonin für dich passt.
Hör deine eigene Nacht. SleepTrace verwandelt eine Nacht Audio in deine Schlafphasen, die Geräusche, die du gemacht hast, und wie sie sich entwickeln. Funktioniert ohne Wearable, noch besser mit. Dein Handy auf dem Nachttisch reicht zum Start. Für iPhone und Android laden →