Bei der zentralen Schlafapnoe ist der Rachen frei, aber das Gehirn schickt im Schlaf zeitweise kein Atemsignal: Die Atmung pausiert ohne Atemanstrengung. Typische Auslöser sind eine Herzschwäche, die Dauereinnahme von Opioiden, große Höhe und eine unruhige Atemregelung ohne erkennbare Ursache. Bei 81 Männern mit stabiler Herzschwäche hatten 40 Prozent eine zentrale und 11 Prozent eine obstruktive Schlafapnoe. Eine allgemeine Zahl für die Lebenserwartung gibt es nicht, belegt ist nur der Zusammenhang mit der Grunderkrankung: Bei Herzschwäche sagte der AHI das Sterberisiko voraus. Die Art der Apnoe lässt sich nur im Schlaflabor sicher bestimmen, eine Aufnahme zu Hause kann Pausen zeigen, aber nicht ihre Ursache.
Wer neben einem Menschen mit der häufigen, obstruktiven Schlafapnoe liegt, hört etwas: Schnarchen, ein Röcheln, dann Stille, dann einen Ruck. Der Brustkorb arbeitet dabei weiter, nur kommt keine Luft an. Bei der zentralen Form fehlt sogar das. Die Atemwege sind offen, aber der Körper unternimmt keinen Versuch zu atmen. Daneben hört man keine Sägerei, sondern eine Pause, die ein paar Sekunden zu lang dauert.
Zentrale Schlafapnoe Ursache: die Atemsteuerung, nicht der Rachen
„Zentral“ heißt hier: vom Zentralnervensystem ausgehend. Das Atemzentrum im Hirnstamm misst laufend, wie viel Kohlendioxid im Blut ist, und regelt danach die Atmung. Im Schlaf hängt dieser Regelkreis enger an einer Schwelle als am Tag. Fällt das Kohlendioxid knapp unter diese Schwelle, kommt der Atemimpuls nicht mehr, bis sich der Wert wieder aufgebaut hat. Dann atmet man tief, treibt den Wert wieder nach unten, und das Spiel beginnt von vorn.
Eine Übersichtsarbeit beschreibt das so: Kennzeichen der zentralen Schlafapnoe ist ein fehlender Atemantrieb im Schlaf, der zu wiederholten Phasen unzureichender Belüftung führt. Das Leitmotiv ist eine instabile Atemregelung, und die Arbeit nennt fünf bekannte Erscheinungsformen: höhenbedingte periodische Atmung, die idiopathische zentrale Schlafapnoe (ohne erkennbaren Auslöser), die durch Opioide ausgelöste, das Adipositas-Hypoventilationssyndrom und die Cheyne-Stokes-Atmung.
Eckert DJ, Jordan AS, Merchia P, Malhotra A. Central sleep apnea: Pathophysiology and treatment. Chest 2007. PMID 17296668
Dass die Trennung zwischen „Rachen“ und „Steuerung“ nicht ganz so sauber ist, zeigt eine Untersuchung an 75 Menschen mit und ohne obstruktive Schlafapnoe. Auch bei den Patienten mit klassischem Rachenverschluss hatten 36 Prozent eine hohe Schleifenverstärkung, so heißt die Empfindlichkeit des Atemregelkreises, bei 37 Prozent lag die Aufwachschwelle niedrig, und 28 Prozent hatten mehrere dieser nicht-anatomischen Merkmale gleichzeitig. Die zentrale Schlafapnoe ist demnach kein Fremdkörper neben der obstruktiven, sondern das Ende eines Spektrums, auf dem die Atemregelung die Hauptrolle spielt.
Eckert DJ, White DP, Jordan AS, Malhotra A, Wellman A. Defining phenotypic causes of obstructive sleep apnea. Identification of novel therapeutic targets. Am J Respir Crit Care Med 2013. PMID 23721582
Wer eine zentrale Schlafapnoe bekommt: Herz, Opioide, Höhe
Die auffälligste Gruppe sind Menschen mit Herzschwäche. In einer Studie an 81 ambulanten Männern mit stabiler Herzschwäche (Pumpleistung unter 45 Prozent) hatten 41 eine Schlafapnoe, das sind 51 Prozent. Bei 40 Prozent aller Untersuchten war sie zentral, bei 11 Prozent obstruktiv. Vorhofflimmern fand sich bei 22 Prozent derer mit Schlafapnoe gegenüber 5 Prozent bei denen ohne. Die Männer mit obstruktiver Form waren im Schnitt deutlich schwerer als die mit zentraler (112 gegen 75 Kilogramm) und schnarchten häufiger (78 gegen 28 Prozent), ein Hinweis, wie unterschiedlich die beiden Formen im Alltag aussehen.
Javaheri S, Parker TJ, Liming JD, Corbett WS, Nishiyama H, Wexler L, Roselle GA. Sleep apnea in 81 ambulatory male patients with stable heart failure. Types and their prevalences, consequences, and presentations. Circulation 1998. PMID 9626176
Die zweite große Gruppe sind Menschen, die dauerhaft Opioide gegen Schmerzen einnehmen. In einer Auswertung von 120 Patientenakten (60 Menschen unter Opioiden, 60 ohne, verglichen nach Alter, Geschlecht und Gewicht) lag der AHI unter Opioiden bei 43,5 pro Stunde gegen 30,2, und der Unterschied ging fast vollständig auf zentrale Apnoen zurück: 12,8 pro Stunde gegen 2,1. Je höher die Dosis, desto ausgeprägter das Muster. Die Autoren betonen selbst, dass die klinische Bedeutung noch geklärt werden muss, und es war eine rückblickende Untersuchung, die keine Ursache beweisen kann.
Walker JM, Farney RJ, Rhondeau SM, Boyle KM, Valentine K, Cloward TV, Shilling KC. Chronic opioid use is a risk factor for the development of central sleep apnea and ataxic breathing. J Clin Sleep Med 2007. PMID 17803007
Wenn du Opioide nimmst und deinem Partner oder dir nachts Atempausen auffallen, sprich mit der Ärztin oder dem Arzt, der sie verordnet. Dosis nicht auf eigene Faust ändern und Schmerzmittel nicht absetzen: Das kann mehr schaden als die Atempausen.
Dazu kommen Menschen in großer Höhe, bei denen eine periodische Atmung im Schlaf bekannt ist, und Fälle, in denen sich keine Ursache findet. Ob bei dir eine dieser Konstellationen vorliegt, entscheidet kein Text, sondern die Grunderkrankung, die abgeklärt werden muss.
Lebenserwartung bei zentraler Schlafapnoe: was sich belegen lässt und was nicht
Wer nach der Lebenserwartung fragt, möchte meist eine Zahl: so viele Jahre weniger. Eine solche Zahl für die zentrale Schlafapnoe insgesamt habe ich in der Literatur, die ich prüfen konnte, nicht gefunden. Geforscht wurde durchaus, aber die Form tritt fast immer als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auf, und die Zahlen werden dann für diese Erkrankung erhoben. Belegt sind Zusammenhänge in der Gruppe, für die die meisten Daten vorliegen: Menschen mit Herzschwäche.
Eine italienische Arbeitsgruppe hat 62 Patienten mit chronischer Herzschwäche (Pumpleistung höchstens 35 Prozent) nachts im Schlaflabor untersucht und im Mittel 28 Monate lang beobachtet. In dieser Zeit starben 15 an Herzursachen. Stärker als alle anderen untersuchten Merkmale sagte der AHI das voraus. Ein AHI von mindestens 30 pro Stunde zusammen mit einem vergrößerten linken Vorhof kennzeichnete die Patienten mit dem höchsten Risiko.
Lanfranchi PA, Braghiroli A, Bosimini E, Mazzuero G, Colombo R, Donner CF, Giannuzzi P. Prognostic value of nocturnal Cheyne-Stokes respiration in chronic heart failure. Circulation 1999. PMID 10086966
Das heißt nicht, dass die Atempausen selbst das Sterberisiko erzeugen. Eine mögliche Lesart: Je kränker das Herz, desto instabiler die Atemregelung. Der AHI wäre dann ein Zeichen für den Zustand des Herzens und nicht der Grund. Die Studie kann das nicht auseinanderhalten, und das ist meine Deutung, nicht ihr Ergebnis.
Dass es nicht einfach ist, die Atempausen zu „reparieren“, zeigte eine große Studie: 1.325 Patienten mit Herzschwäche und überwiegend zentralen Ereignissen bekamen entweder die übliche Behandlung oder zusätzlich ein Beatmungsgerät, das die Atmung nach Bedarf unterstützt. Der AHI sank im Mittel auf 6,6 pro Stunde. Trotzdem unterschied sich der kombinierte Endpunkt aus Tod, lebensrettenden Eingriffen und ungeplanten Krankenhausaufenthalten nicht bedeutsam (54,1 gegen 50,8 Prozent). Die Gesamtsterblichkeit (Hazard Ratio 1,28) und die Sterblichkeit an Herzursachen (1,34) waren in der Gerätegruppe sogar höher.
Cowie MR, Woehrle H, Wegscheider K, Angermann C, d'Ortho MP, Erdmann E, Levy P, Simonds AK, Somers VK, Zannad F, Teschler H. Adaptive Servo-Ventilation for Central Sleep Apnea in Systolic Heart Failure. N Engl J Med 2015. PMID 26323938
Wichtig ist die Reichweite dieses Ergebnisses: Es gilt für diese Patientengruppe (Herzschwäche mit stark eingeschränkter Pumpleistung, überwiegend zentrale Apnoen), nicht für jede zentrale Schlafapnoe. Es zeigt aber, warum eine zentrale Schlafapnoe nie ohne die Grunderkrankung betrachtet wird und warum Behandlung hier Facharztsache ist. Für die Lebenserwartung heißt das: Sie hängt in dieser Gruppe an der Herzerkrankung und ihrer Behandlung, die Atempausen sind ein Teil des Bildes.
Welche Arten von Schlafapnoe gibt es? Abkürzungen, Einteilung und Aussprache
Die Frage, welche Arten von Schlafapnoe es gibt, hat eine kurze Antwort mit drei Wörtern:
- Obstruktiv: der Rachen verschließt sich. Die häufigste Form, in Befunden meist OSA oder OSAS abgekürzt.
- Zentral: die Atemsteuerung setzt aus. Die Abkürzung heißt auf Deutsch ZSA, auf Englisch CSA.
- Gemischt: beide Anteile, oft eine Pause, die zentral beginnt und obstruktiv endet.
Wer auf dem Befund eine Abkürzung liest, findet meist SAS für „Schlafapnoe-Syndrom“, davor ein O für obstruktiv oder ein Z für zentral. Das Wort Syndrom bedeutet nur, dass die Pausen zusammen mit Beschwerden auftreten.
Einteilung nach Art und nach Schwere
Die Einteilung der Schlafapnoe hat zwei Achsen, und sie werden häufig verwechselt. Die Art (obstruktiv, zentral, gemischt) sagt, wodurch die Pause entsteht. Der Schweregrad sagt, wie viele Pausen es sind. Für die Schweregrade gilt als Konvention: Unter 5 Ereignisse pro Stunde gelten als unauffällig, ab 5 als leicht, ab 15 als mittelschwer, ab 30 als schwer. Diese Schwellen werden in der Fachliteratur so verwendet, etwa in einer Langzeitstudie, die sie als Grenzen für leicht, mittel und schwer benennt. Wie der Index berechnet wird und warum zwei Befunde derselben Nacht voneinander abweichen können, steht unter AHI Wert; was eine Hypopnoe ist, unter Hypopnoe.
Young T, Finn L, Peppard PE, Szklo-Coxe M, Austin D, Nieto FJ, Stubbs R, Hla KM. Sleep disordered breathing and mortality: eighteen-year follow-up of the Wisconsin sleep cohort. Sleep 2008. PMID 18714778
Wie spricht man Schlafapnoe aus?
Das fragen erstaunlich viele, und das ist verständlich: Das Wort sieht schwieriger aus, als es klingt. Es kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne Atem“. Die Betonung liegt auf der mittleren Silbe: ap-NO-e. Das e am Ende wird mitgesprochen, das Wort hat drei Silben. Gesprochen wird es „Schlaf-ap-NO-e“, nicht „Schlaf-ap-noh“.
Wie fällt eine zentrale Schlafapnoe auf, und was kann eine Aufnahme zeigen?
Für die zentrale Form fehlt das Leitsymptom, an dem sich die meisten Partner orientieren: das laute Schnarchen. Menschen mit zentraler Schlafapnoe schnarchen oft wenig oder gar nicht. Auffällig sind eher eine anhaltende Müdigkeit trotz langer Nächte, ein Aufwachen mit dem Gefühl, keine Luft zu bekommen, und eine Atmung, die sich in Wellen verändert: tiefer, flacher, eine Pause, dann wieder tiefer. Bei Herzschwäche sind es oft Luftnot im Liegen und geschwollene Beine, die zuerst auffallen. Mehr zur Variante ohne Schnarchen steht unter Schlafapnoe ohne Schnarchen.
Eine Aufnahme der Nacht kann an dieser Stelle etwas, das man ohne sie nicht hat: Sie macht den Rhythmus hörbar. Das Wellenmuster aus lauter werdendem Atmen und Stille lässt sich an einem Zeitstempel ablesen, und über mehrere Nächte sieht man, ob es wiederkehrt. SleepTrace markiert mögliche Atempausen und legt abspielbare Stellen an, damit du beim Arzt etwas Konkretes vorspielen kannst. Was die Aufnahme nicht kann: unterscheiden, ob der Rachen zu ist oder das Signal fehlt. Dafür braucht es Gurte um Brust und Bauch, die zeigen, ob sich während der Pause etwas bewegt. Eine Smartphone-Aufnahme ist keine Diagnose und ersetzt das Schlaflabor nicht. Wie ein Test zu Hause abläuft und wann ein Arzt dazugehört, steht unter Schlafapnoe zu Hause testen.
Was jetzt: abklären lassen statt abwarten
Eine zentrale Schlafapnoe wird nicht anhand eines Textes oder einer App erkannt, und sie wird nicht auf eigene Faust behandelt. Der erste Schritt ist die Abklärung bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, je nach Befund mit Überweisung zur Schlafmedizin, zur Kardiologie oder zur Pneumologie. Gesucht wird auch die Ursache der Apnoe. Die Behandlung richtet sich danach, und die SERVE-HF-Studie zeigt, warum ein Gerät, das bei einer Form hilft, bei einer anderen schaden kann.
Sofort ärztliche Hilfe, im Zweifel Notruf 112, bei plötzlicher Atemnot in Ruhe, Brustschmerz, Ohnmacht oder wenn sich bei bekannter Herzschwäche nachts die Luftnot rasch verschlimmert. Dafür ist die Notaufnahme zuständig, keine Aufnahme-App.
Wenn du dich fragst, ob die Atempausen deines Partners harmlos sind oder nicht, ist eine Nachtaufnahme ein guter Anfang, weil sie aus einem „ich glaube“ ein „hier, hör mal“ macht. Weiter hilft dann nur der Arzt. Eine Einordnung, wie gefährlich unbehandelte Atempausen allgemein sind, findest du unter Ist Schlafapnoe gefährlich?; wie normal Atemaussetzer sein können, unter Atemaussetzer nachts.
Häufige Fragen
Bei der zentralen Schlafapnoe sendet das Atemzentrum im Schlaf zeitweise kein Atemsignal, obwohl die Atemwege frei sind. Häufige Hintergründe sind eine Herzschwäche, die dauerhafte Einnahme von Opioiden, ein Aufenthalt in großer Höhe oder eine instabile Atemregelung ohne erkennbaren Auslöser.
Eine allgemeine Zahl gibt es nicht. Belegt ist der Zusammenhang bei Herzschwäche: Dort sagte der AHI in einer Beobachtungsstudie an 62 Patienten das Sterberisiko durch Herzursachen voraus. Ob die Atempausen die Ursache sind oder nur ein Zeichen für das kranke Herz, kann die Studie nicht entscheiden. Entscheidend ist die Grunderkrankung und ihre Behandlung.
Obstruktiv (der Rachen verschließt sich), zentral (die Atemsteuerung setzt aus) und gemischt (beides in einer Pause). Dazu kommt die Einteilung nach Schwere über den AHI: unter 5 unauffällig, ab 5 leicht, ab 15 mittelschwer, ab 30 schwer.
Die Betonung liegt auf der mittleren Silbe des zweiten Wortteils: Schlaf-ap-NO-e. Das e am Ende wird mitgesprochen, das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne Atem“.
Eine Aufnahme kann Pausen und ihr Muster hörbar machen, aber sie kann nicht klären, ob der Rachen verschlossen ist oder das Atemsignal fehlt. Dafür braucht es die Messung im Schlaflabor mit Gurten um Brust und Bauch. Eine App ist keine Diagnose.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
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