Nachts mit pochendem Herzen aufzuwachen ist oft ein kurzer Adrenalinstoß, hat aber verschiedene mögliche Auslöser: Angst oder Panik aus dem Schlaf, Atempausen im Schlaf, Reflux oder Alkohol am Abend. Schnarchen direkt davor ist ein Hinweis auf Atempausen. Wiederholtes Herzrasen nachts gehört ärztlich abgeklärt, besonders mit Schweißausbrüchen, Atemnot oder Brustschmerz.
Aus dem Schlaf gerissen zu werden, weil das Herz pocht, ist eines der beunruhigendsten Nacht-Erlebnisse. Oft bleibt es folgenlos, ob es harmlos ist, lässt sich aus dem Gefühl heraus aber nicht sagen. Die Frage ist nicht, ob das Herz schlägt, sondern warum es gerade hochgefahren ist. Der physiologische Rahmen ist im Wikipedia-Artikel über Herzrasen beschrieben.
Nachts aufwachen mit Herzrasen: die Ursachen
- Nächtliche Angst oder Panik. Das Aufwachen in einem Panikzustand ohne erkennbaren Auslöser kommt vor (siehe unten). Fachleute sehen auch Zusammenhänge mit der Atmung.
- Schlafapnoe. Wenn die Atmung nachts kurz aussetzt, reagiert der Körper mit einem Adrenalinstoß, um dich zu wecken und die Atmung wieder zu starten. Das Muster: Schnarchen, dann Stille, dann Erwachen mit pochendem Herzen. Siehe Schlafapnoe: zu Hause testen.
- Reflux. Magensäure, die im Liegen aufsteigt, kann einen Reflex auslösen, der den Puls hochtreibt.
- Alkohol am Abend. Alkohol verändert die Herzaktivität im Schlaf, schon in den ersten Stunden (siehe unten).
- Koffein zu spät oder zu viel. Koffein bleibt stundenlang im System und kann den Nachtschlaf mit Herzrasen stören.
Wann du zum Arzt solltest
Einmaliges nächtliches Herzrasen ist häufig folgenlos. Zum Arzt solltest du, wenn es wiederholt auftritt, mit Schweißausbrüchen, Atemnot, Schwindel oder Brustschmerz einhergeht, oder wenn du tagsüber zusätzlich unregelmäßigen Puls spürst. Das Muster „Schnarchen → Stille → pochendes Erwachen“ ist ein Hinweis auf Atempausen und gehört abgeklärt.
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Alkohol am Abend und die Herzerholung in den ersten Stunden
Dass Alkohol den Herzschlag im Schlaf verändert, lässt sich inzwischen an großen Gruppen zeigen. Eine finnische Untersuchung nutzte die Herzschlag-Aufzeichnungen von 4.098 Beschäftigten, die mindestens einen Tag mit und einen Tag ohne Alkohol aufgezeichnet hatten. Verglichen wurde jede Person mit sich selbst, ausgewertet wurden die ersten drei Stunden des Schlafs. Die Alkoholmenge gaben die Teilnehmer selbst an. Je mehr Alkohol, desto mehr stieg die Aktivität des Sympathikus und desto weniger Erholung gab es. Ein aus der Herzfrequenzvariabilität berechnetes Maß für die Erholung sank bei geringer, mäßiger und hoher Menge im Mittel um 9,3, 24,0 und 39,2 Prozentpunkte. Auch geringe Mengen hatten einen Effekt, und weder Sport noch junges Alter schützten davor.
Pietilä J, Helander E, Korhonen I, Myllymäki T, Kujala UM, Lindholm H. Acute Effect of Alcohol Intake on Cardiovascular Autonomic Regulation During the First Hours of Sleep in a Large Real-World Sample of Finnish Employees: Observational Study. JMIR Ment Health 2018. PMID 29549064
Wer nachts mit Herzrasen aufwacht, kann in den Tagen davor notieren, was er abends getrunken hat. Aus der Studie lässt sich kein Grenzwert ableiten, wohl aber, dass der Zusammenhang nicht nur bei großen Mengen auftritt.
Herzrhythmus und Atempausen kommen oft zusammen vor
Zwei amerikanische Patientengruppen wurden verglichen: 151 Menschen, die wegen Vorhofflimmern eine Kardioversion bekamen, und 312 Menschen ohne Vorhofflimmern aus einer allgemeinen Kardiologiepraxis. Gruppen waren in Alter, Geschlecht, Gewicht und Vorerkrankungen ähnlich. Eine obstruktive Schlafapnoe zeigte sich bei 49 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern und bei 32 Prozent der Vergleichsgruppe, das bereinigte Odds Ratio lag bei 2,19. Die Apnoe wurde mit einem Fragebogen erfasst, der in einer Teilgruppe mit dem Schlaflabor verglichen wurde (Sensitivität 0,86, Spezifität 0,89). Eine Ursache lässt sich aus einer Vergleichsstudie dieser Art nicht ablesen. Sie erklärt aber, warum Ärzte bei nächtlichem Herzklopfen auch nach Schnarchen und Atempausen fragen.
Gami AS, Pressman G, Caples SM, Kanagala R, Gard JJ, Davison DE, Malouf JF, Ammash NM, Friedman PA, Somers VK. Association of atrial fibrillation and obstructive sleep apnea. Circulation 2004. PMID 15249509
Wenn die Panik im Schlaf beginnt
Nächtliche Panik bezeichnet das Aufwachen in einem Panikzustand ohne erkennbaren Auslöser, mit denselben Beschwerden wie eine Panikattacke am Tag. Die Forschung dazu ist dünn. Eine Übersicht stellt fest, dass es nur wenige Studien gibt und dass nächtliche Panikattacken eine eigene Untergruppe der Panikstörung mit Bezug zur Atmung sein könnten. Als Erklärung wird diskutiert, dass der Körper im Schlaf einen falschen Erstickungsalarm auslöst.
Levitan MN, Nardi AE. Nocturnal panic attacks: clinical features and respiratory connections. Expert Rev Neurother 2009. PMID 19210198
Eine neuere Befragung von 215 Menschen aus der Allgemeinbevölkerung verglich die Beschwerden. Die Struktur der Symptomnetzwerke unterschied sich zwischen Tag- und Nachtpanik nicht. Die Gruppe mit nächtlicher Panik berichtete aber stärkere gedankliche Symptome. Die Autoren schließen daraus, dass das Grübeln nach dem Aufwachen die Attacke verlängern könnte. Das ist ein Hinweis aus einer Online-Befragung und kein Beweis.
Smith NS, Bauer BW, Capron DW. Comparing symptom networks of daytime and nocturnal panic attacks in a community-based sample. J Anxiety Disord 2022. PMID 34929433
Bei Brustschmerz oder Druck auf der Brust, Atemnot, Ohnmacht oder einem Herzrasen, das nicht nach wenigen Minuten nachlässt, ruf die 112 an. Bei wiederholtem nächtlichem Herzrasen vereinbare einen Termin, auch wenn zwischendurch alles in Ordnung scheint. Ein EKG im Wachzustand zeigt einen Anfall oft nicht.
Was du für das Arztgespräch festhältst
- Uhrzeit und Dauer: wann du aufgewacht bist und wie lange das Herzrasen anhielt.
- Rhythmus: gleichmäßig schnell oder unregelmäßig, mit Stolpern oder Aussetzern, soweit du den Puls fühlen konntest.
- Begleiter: Schwitzen, Atemnot, Schwindel, Angst, Sodbrennen.
- Vortag: Alkohol, Koffein, spätes Essen, Stress.
- Schnarchen und Atempausen, falls ein Partner sie bemerkt hat. Zur Einordnung der Nacht helfen Schlafapnoe, EKG und Puls nachts und, wenn Angst im Vordergrund steht, Aufwachen mit Angst.
Häufige Fragen
Mögliche Auslöser sind eine nächtliche Angst- oder Panikreaktion, eine kurze Atempause (Schlafapnoe), Sodbrennen sowie das Nachlassen von Alkohol- oder Koffeinwirkung. Schnarchen direkt vor dem Aufwachen ist ein Hinweis auf Atempausen.
Oft ist es ein kurzer Adrenalinschub. Lass es aber zeitnah abklären, wenn Brustschmerzen, anhaltende Atemnot, Ohnmacht oder unregelmäßiger Puls dazukommen, oder wenn es häufig auftritt und mit Schnarchen und Tagesmüdigkeit einhergeht. Dahinter können ein Herzrhythmusproblem oder Schlafapnoe stehen.
Alkohol verändert die Herzaktivität im Schlaf nachweislich. In einer Studie mit 4.098 Beschäftigten sank die Herzerholung in den ersten drei Stunden des Schlafs mit steigender Menge, auch bei geringen Mengen. Ob er dich weckt, hängt von Menge, Zeitpunkt und Person ab.
In einer Studie mit 463 Patienten hatten 49 Prozent der Menschen mit Vorhofflimmern eine Schlafapnoe, gegenüber 32 Prozent in der Vergleichsgruppe. Das bereinigte Odds Ratio lag bei 2,19. Ob die Apnoe das Vorhofflimmern verursacht, zeigt diese Studie nicht.
Ja. Gemeint ist das Aufwachen in einem Panikzustand ohne erkennbaren Auslöser. Die Forschung ist spärlich, Fachleute diskutieren einen Zusammenhang mit der Atmung. Wiederholte Attacken sollten ärztlich oder psychotherapeutisch besprochen werden.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
Ob der Auslöser Panik, Alkohol oder Atempausen war, sagt der Puls allein nicht. SleepTrace misst keinen Herzschlag ohne Uhr, nimmt aber den Ton der Nacht auf, speichert Clips von Schnarchen und Husten und markiert mögliche Atempausen mit Uhrzeit. Der Hinweis ist ein Screening, und über Befund und Herzrhythmus entscheidet der Arzt.
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