Schnarchen bei Frauen ist seltener als bei Männern, aber keine Ausnahme: In einer dänischen Befragung von 1.504 Menschen zwischen 30 und 60 gaben 7,9 Prozent der Frauen und 19,1 Prozent der Männer an, gewohnheitsmäßig zu schnarchen. Nach den Wechseljahren steigt das Risiko für Atemstörungen im Schlaf deutlich: In einer US-Kohorte lag es nach der Menopause beim 2,6-Fachen, bei 15 oder mehr Ereignissen pro Stunde beim 3,5-Fachen. Was hilft, ähnelt dem bei Männern (Lage, Gewicht, Alkohol, freie Nase, bei Bedarf eine zahnärztliche Schiene). Schnarchen mit beobachteten Atempausen oder anhaltender Tagesmüdigkeit gehört abgeklärt, bei Frauen besonders, weil die Beschwerden oft anders aussehen.
In den meisten Texten über Schnarchen kommt die Frau als Randnotiz vor. Das Bild ist männlich: der Mann auf dem Rücken, die genervte Partnerin daneben. Wer als Frau selbst schnarcht, kennt deshalb oft ein Gefühl, das in diese Geschichte nicht passt: Scham. Manche streiten es ab, manche erfahren es erst von einem neuen Partner, von der Mitbewohnerin im Urlaub, vom Kind, das morgens fragt, was das für ein Geräusch war. Dieser Text sortiert, was man über Frauen und Schnarchen tatsächlich weiß, und lässt offen, wo die Forschung dünn ist.
Schnarchen bei Frauen: seltener, aber kein Randphänomen
Der Satz „Frauen schnarchen nicht“ hält sich hartnäckig, und er ist falsch. In einer dänischen Bevölkerungsstudie wurden 1.504 zufällig ausgewählte Menschen im Alter von 30, 40, 50 und 60 Jahren befragt, bei 748 von ihnen wurde zusätzlich die nächtliche Atmung gemessen. Gewohnheitsmäßiges Schnarchen gaben 19,1 Prozent der Männer an, bei den Frauen waren es 7,9 Prozent. Das ist weniger, aber es ist etwa jede dreizehnte Frau in dieser Altersgruppe. Ein Atemstörungs-Index von mindestens 5 pro Stunde fand sich bei 10,9 Prozent der Männer und 6,3 Prozent der Frauen.
Jennum P, Sjøl A. Epidemiology of snoring and obstructive sleep apnoea in a Danish population, age 30-60. J Sleep Res 1992. PMID 10607057
Dazu zwei Anmerkungen. Das Schnarchen wurde erfragt, nicht gemessen, und wer sich selbst nicht hört, kann nichts angeben. Und die Zahlen stammen aus Dänemark, die Studie erschien 1992. Dieselbe Arbeit nennt als Faktoren, die mit Schnarchen zusammenhingen: Alter, Geschlecht, Körpergewicht (BMI) und Alkoholkonsum.
Warum schnarchen Frauen? Die Gründe, die selten genannt werden
Die Gründe für Schnarchen bei Frauen überschneiden sich weitgehend mit denen bei Männern: Der Rachen wird im Schlaf weich und eng, und die Luft bringt Gewebe zum Schwingen (mehr dazu unter Ursachen von Schnarchen). Was die Ursachen unterscheidet, ist die Gewichtung.
- Körpergewicht. Bei Frauen vor den Wechseljahren scheint es der stärkste Treiber zu sein. In der großen US-Stichprobe von Bixler lag klinisch relevante Schlafapnoe bei Frauen vor der Menopause bei nur 0,6 Prozent, und wo sie vorkam, hing sie nach Aussage der Autoren ausschließlich mit starkem Übergewicht zusammen (BMI ab 32,3).
- Eine verstopfte Nase. Allergie und Dauerschnupfen sind bei beiden Geschlechtern ein bekannter Auslöser; Näheres steht unter Schnarchen mit geschlossenem Mund.
- Alkohol am Abend. Er entspannt die Rachenmuskeln zusätzlich (mehr dazu unter Schnarchen verhindern).
- Schwangerschaft. Hier schnarchen Frauen oft zum ersten Mal in ihrem Leben, siehe Schnarchen in der Schwangerschaft.
- Die Wechseljahre. Das ist der Punkt, an dem sich bei Frauen am meisten ändert. Dazu gleich mehr.
Eine anatomische Besonderheit macht die Sache nicht einfacher. In einer Untersuchung der Atemwege hatten Frauen mit Schlafstörungen einen kleineren Übergang vom Mund zum Rachen als Männer, und trotzdem milder ausgeprägte Atemstörungen (im Mittel 9,2 gegenüber 28,0 Ereignissen pro Stunde). Die Rachengröße hing nur bei den Männern mit dem Schweregrad zusammen. Die Autoren schließen daraus, dass die Atemwege von Frauen im Schlaf günstiger arbeiten; warum, ist offen.
Mohsenin V. Gender differences in the expression of sleep-disordered breathing : role of upper airway dimensions. Chest 2001. PMID 11713117
Das war eine klinische Gruppe mit 78 Männern und 52 Frauen, die ohnehin zur Abklärung ins Schlaflabor kamen. Für die Frage, warum eine gesunde Frau schnarcht, ist sie nur bedingt aussagekräftig.
Schnarchen in den Wechseljahren und danach
Wer mit Anfang oder Mitte fünfzig plötzlich schnarcht, ist keine Ausnahme. In der Wisconsin Sleep Cohort wurden 589 Frauen untersucht, die Atemereignisse wurden im Schlaflabor gemessen. Verglichen mit Frauen vor der Menopause hatten Frauen nach der Menopause eine 2,6-fach erhöhte Chance auf mindestens 5 Ereignisse pro Stunde (Konfidenzintervall 1,4 bis 4,8) und eine 3,5-fach erhöhte Chance auf mindestens 15 Ereignisse pro Stunde (1,4 bis 8,8). Die Werte sind bereits um Alter, Körperbau und Rauchen bereinigt. In der Übergangsphase selbst, der Perimenopause, war der Anstieg nicht eindeutig (Chancenverhältnis 1,2 und 1,1, Konfidenzintervalle schließen die 1 ein).
Young T, Finn L, Austin D, Peterson A. Menopausal status and sleep-disordered breathing in the Wisconsin Sleep Cohort Study. Am J Respir Crit Care Med 2003. PMID 12615621
Die Studie von Bixler und Kollegen zeigt in dieselbe Richtung und macht einen weiteren Punkt auf: Unter 1.000 Frauen und 741 Männern, die eine Nacht im Labor verbrachten, lag Schlafapnoe bei Frauen nach der Menopause ohne Hormonersatz bei 2,7 Prozent, bei Frauen vor der Menopause bei 0,6 Prozent. Frauen nach der Menopause mit Hormonersatz kamen auf 0,5 Prozent. Die Autoren sehen die Menopause als Risikofaktor und Hormonersatz als mit einem geringeren Risiko verbunden.
Bixler EO, Vgontzas AN, Lin HM, Ten Have T, Rein J, Vela-Bueno A, Kales A. Prevalence of sleep-disordered breathing in women: effects of gender. Am J Respir Crit Care Med 2001. PMID 11254512
Daraus folgt kein Rat. Ob Hormonersatz ein Thema für dich ist, entscheidet ärztlich, mit eigenen Nutzen und Risiken, und Schnarchen ist dafür kein Grund. Beide Arbeiten sind Beobachtungsstudien: Sie zeigen einen Zusammenhang, nicht, dass das Absetzen der Hormone das Schnarchen verursacht. Aber sie erklären eine Erfahrung, die viele Frauen beschreiben: Es war über Jahrzehnte nie ein Thema, und mit 52 kommt es plötzlich dazu. Das betrifft Schnarchen bei Frauen ab 50 ebenso wie die Zeit ab 40, in der die Hormone zu schwanken beginnen. Warum schnarchen Frauen im Alter häufiger? Diskutiert werden Hormone, nachlassende Gewebespannung und eine veränderte Fettverteilung. Belegt ist der Zusammenhang mit der Menopause, nicht der Weg dorthin.
Wer in dieser Lebensphase schlecht schläft, denkt zuerst an Hitzewallungen, und das mit Recht (siehe Schlafstörungen in den Wechseljahren). Dass das Schnarchen und mögliche Atempausen einen eigenen Anteil an der zerstückelten Nacht haben können, wird dabei leicht übersehen.
Warum es bei Frauen später auffällt
Zwei Gründe tragen dazu bei, dass Schnarchen bei Frauen oft erst spät erkannt wird. Der erste ist die Erwartung: Wenn Ärztin und Partner nicht damit rechnen, wird nicht gefragt. Der zweite ist, dass die Beschwerden anders aussehen können. Eine Auswertung an Frauen und Männern mit Schlafapnoe, die in Alter, Gewicht, Schweregrad und Tagesmüdigkeit übereinstimmten (je 130), fand: Schnarchen und Schläfrigkeit waren bei beiden gleich häufig. Aber die Frauen nannten als Hauptbeschwerde viel öfter Schlaflosigkeit (Chancenverhältnis 4,2), hatten häufiger Depressionen in der Vorgeschichte (4,6) und eine Schilddrüsenunterfunktion (5,6). Beobachtete Atemaussetzer standen bei ihnen seltener im Vordergrund (0,66, aber statistisch nicht eindeutig, Konfidenzintervall 0,38 bis 1,12).
Shepertycky MR, Banno K, Kryger MH. Differences between men and women in the clinical presentation of patients diagnosed with obstructive sleep apnea syndrome. Sleep 2005. PMID 16173651
Man darf das nicht überinterpretieren: Es war eine Aktenauswertung an einer Uniklinik, nicht die Normalbevölkerung, und der Abstract sagt nichts über Ursache und Wirkung (Schilddrüsenunterfunktion und Depression können Schlaflosigkeit und Müdigkeit auch allein erklären). Aber das Muster ist bekannt genug, dass es einen eigenen Text gibt: Schlafapnoe bei Frauen und Schlafapnoe ohne Schnarchen.
Schnarchen zusammen mit beobachteten Atempausen, morgendlichen Kopfschmerzen, sehr starker Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck oder Aufwachen mit Luftnot gehört ärztlich abgeklärt, unabhängig von Alter und Geschlecht. Auch bei Frauen, die „nur ein bisschen“ schnarchen, ist das kein Grund zu warten. Hintergründe: Atemaussetzer nachts. SleepTrace kann das nicht diagnostizieren, die App ist kein Medizinprodukt.
Was hilft gegen Schnarchen bei Frauen?
Eine ehrliche Antwort darauf, was gegen Schnarchen bei Frauen hilft, beginnt mit einer Lücke: Studien, die Maßnahmen getrennt für Frauen auswerten, haben wir in den Quellen für diesen Text nicht gefunden. Was bleibt, sind Studien an gemischten Gruppen. Sie sind auch die Grundlage für alles, was bei Frauen ab 50 und jünger gleichermaßen gilt. Die ausführliche Liste steht unter Schnarchen: was wirklich hilft und Gegen Schnarchen was tun. Hier nur das, was zu den Besonderheiten von Frauen passt:
- Gewicht und Schnarchen. In einer Bevölkerungsstudie mit 690 Erwachsenen (56 Prozent Männer, Durchschnittsalter 46), die im Abstand von vier Jahren zweimal gemessen wurden, ging eine Gewichtszunahme von 10 Prozent mit einem etwa 32 Prozent höheren Atemstörungs-Index einher; eine Abnahme von 10 Prozent mit einem etwa 26 Prozent niedrigeren. Die Gruppe war gemischt; ob die Zahlen für Frauen und Männer gleich ausfallen, sagt der Abstract nicht. Quelle: Peppard u. a., siehe unten.
- Lage, Alkohol, Nase. Seitenlage statt Rückenlage, abends Alkohol meiden, bei Schnupfen die Nase frei bekommen. Die Belege dafür stehen unter Schnarchen verhindern.
- Zahnärztliche Schiene. In einer kleinen Vergleichsstudie (50 Paare, 4 Wochen) waren 91 Prozent der Schnarchenden mit einer Unterkiefer-Schiene vom Partner als gebessert eingestuft, bei einer Kombination aus äußerem Nasenöffner, Nasenspülung mit Kortisonzusatz, Mundpflaster und Seitenlage waren es 58 Prozent. Von den Schnarchenden waren 62 Prozent Frauen, dazu bietet der Abstract allerdings keine getrennte Auswertung. Es war eine Pilotstudie mit Bequemlichkeitsstichprobe, die Bewertung kam von den Partnern. Die amerikanische Leitlinie der Schlafmediziner und Zahnärzte von 2015 empfiehlt, dass Schlafärzte Erwachsenen mit reinem Schnarchen, die eine Behandlung wünschen, eine Schiene verordnen, statt nichts zu tun.
Peppard PE, Young T, Palta M, Dempsey J, Skatrud J. Longitudinal study of moderate weight change and sleep-disordered breathing. JAMA 2000. PMID 11122588
Ramar K, Dort LC, Katz SG, Lettieri CJ, Harrod CG, Thomas SM, Chervin RD. Clinical Practice Guideline for the Treatment of Obstructive Sleep Apnea and Snoring with Oral Appliance Therapy: An Update for 2015. J Clin Sleep Med 2015. PMID 26094920
Ioerger P, Afshari A, Hentati F, Strober W, Kallogjeri D, Ju YE, Piccirillo JF. Mandibular Advancement vs Combined Airway and Positional Therapy for Snoring: A Randomized Clinical Trial. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2024. PMID 38780959
Ein Wort zu Pflastern, Sprays und Kissen, nach denen viele Frauen zuerst suchen: Mittel gegen Schnarchen bei Frauen sind keine eigene Produktklasse und wirken bei Frauen nicht anders als bei Männern. Was bei dir passt, hängt davon ab, wo bei dir die Engstelle sitzt. Wer das nicht weiß, probiert im Dunkeln.
In welcher Schlafphase Frauen schnarchen, und warum man es dann nicht merkt
Hier liegt der Winkel, der bei Frauen oft mehr bringt als bei Männern: Das Schnarchen findet zu einer anderen Zeit statt, als man denkt. Eine Auswertung von Schlaflabornächten bei Erwachsenen mit nur leichten Atemstörungen (93 Erwachsene, mindestens zehn Prozent der Schlafzeit mit Schnarchen) ergab, dass Schnarchen in den tiefen und mittleren Schlafphasen N3 und N2 am häufigsten vorkam und im REM-Schlaf am seltensten. Der Anteil des Schnarchens im Tiefschlaf war bei jungen Frauen unter 40 höher als bei jungen Männern; über alle Altersgruppen hinweg war der Unterschied nicht bedeutsam. Das ist eine rückblickende Auswertung an Patientinnen und Patienten, die zur Untersuchung gekommen waren, und der Abstract nennt die Größe der Untergruppe der jungen Frauen nicht.
Suzuki M, Kawai Y, Funayama Y. Exploring the dynamics of snoring in relation to sleep stages: Implications for gender differences, sleep position, and upper airway collapsibility. PLoS One 2024. PMID 38295094
Praktisch heißt das: Schnarchen kann in genau der Phase auftreten, in der man am tiefsten schläft und am wenigsten mitbekommt. Es kann leise sein und trotzdem da. Wer allein schläft oder einen Partner hat, der selbst tief schläft, erfährt davon nichts. Eine Aufnahme der ganzen Nacht zeigt dagegen, wann es auftritt: Zeitstempel, Lautstärke und abspielbare Stellen. Mit SleepTrace liegt das Handy dafür auf dem Nachttisch, die Auswertung passiert auf dem Gerät. Die App schätzt außerdem, in welcher Schlafphase eine Schnarchepisode lag, und markiert mögliche Atempausen. Beides sind Schätzungen aus dem Mikrofon, keine Messung wie im Labor.
Vor einem Arztgespräch ist das mehr wert als jede Beschreibung. „Ich schnarche wohl manchmal“ führt selten zu einer Überweisung. Eine Aufnahme mit einer Stelle, an der es still wird und danach hörbar nach Luft geschnappt wird, tut es eher. Wer die Aufnahme zum ersten Mal macht, findet hier den Ablauf: Schnarche ich?. Wenn der Partner schnarcht statt du: Partner schnarcht.
Wie die Männer in diesem Bild stehen und warum, steht unter Warum schnarchen Männer häufiger.
Häufige Fragen
Ja. In einer dänischen Befragung von 1.504 Menschen zwischen 30 und 60 gaben 7,9 Prozent der Frauen und 19,1 Prozent der Männer an, gewohnheitsmäßig zu schnarchen. Das war eine Selbstangabe, nicht gemessen. Auch klinisch relevante Schlafapnoe war in einer großen US-Studie bei Frauen seltener (1,2 gegenüber 3,9 Prozent).
Beobachtungsstudien zeigen, dass Atemstörungen im Schlaf nach der Menopause deutlich häufiger sind, auch nach Abzug von Alter und Gewicht. Warum, ist nicht endgültig geklärt; Hormone, Gewebespannung und Fettverteilung werden diskutiert. Hormonersatz ist keine Schnarchbehandlung, sondern eine ärztliche Entscheidung.
Nach heutiger Studienlage dasselbe wie bei Männern: Seitenlage, wenig Alkohol am Abend, eine freie Nase, bei Übergewicht Gewichtsabnahme, bei Bedarf nach ärztlicher Abklärung eine zahnärztliche Schiene. Getrennte Studien für Frauen haben wir nicht gefunden. Schnarchen mit Atempausen oder starker Tagesmüdigkeit sollte abgeklärt werden.
Nicht grundsätzlich, aber es wird später erkannt. Bei Frauen mit Schlafapnoe stehen laut einer Aktenauswertung öfter Schlaflosigkeit und Niedergeschlagenheit im Vordergrund als beobachtete Atemaussetzer. Wer müde ist, schlecht schläft und schnarcht, sollte das ärztlich ansprechen.
Ja, ob und wann du schnarchst, hört ein Mikrofon auf dem Nachttisch recht gut. Eine Diagnose ersetzt das nicht: Die App schätzt, und mögliche Atempausen sind ein Anlass für einen Arzttermin, kein Befund.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
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