Schlafapnoe wird bei Frauen oft spät erkannt: Bei gleichem Schweregrad nennen Frauen häufiger Schlaflosigkeit als Hauptbeschwerde und haben öfter eine Depression oder Schilddrüsenunterfunktion in der Vorgeschichte, beobachtete Atempausen stehen seltener im Vordergrund. In einer Schätzung blieben 93 Prozent der Frauen mit mittlerer bis schwerer Schlafapnoe undiagnostiziert. Nach den Wechseljahren steigt die Häufigkeit. Wer trotz ausreichender Stunden erschöpft ist oder dem ein Partner Atempausen beschreibt, sollte es abklären lassen.
Das Bild der Schlafapnoe (der schnarchende, übergewichtige Mann mittleren Alters) ist so verbreitet, dass es die Diagnose bei Frauen systematisch erschwert. Denn Schlafapnoe bei Frauen sieht oft ganz anders aus, und genau deshalb wird sie übersehen. Die Einordnung steht im Wikipedia-Artikel über Schlafapnoe.
Schlafapnoe Frau: die anderen Zeichen
- Erschöpfung und Tagesmüdigkeit statt „ich schlafe ein, sobald ich sitze“.
- Schlaflosigkeit: Frauen mit Schlafapnoe nennen sie in einer Auswertung deutlich häufiger als Hauptbeschwerde als Männer mit gleichem Schweregrad.
- Morgendliche Kopfschmerzen und unerholsames Aufwachen.
- Stimmungsveränderungen, Reizbarkeit, depressive Verstimmung.
- Atempausen stehen seltener im Vordergrund. Schnarchen war in einer Vergleichsstudie bei Frauen und Männern gleich häufig, beobachtete Atempausen wurden bei Frauen aber seltener als Hauptbeschwerde genannt. So wird die Atmungsstörung später vermutet.
Das Risiko steigt um die Menopause
Nach der Menopause steigt das Schlafapnoe-Risiko bei Frauen deutlich (Zahlen weiter unten). Warum, ist nicht abschließend geklärt; Hormone und Gewicht werden diskutiert. Wenn die Erschöpfung in dieser Lebensphase beginnt, ist Apnoe ein wichtiger Kandidat. Die Abklärung beginnt mit den Schritten in Schlafapnoe: zu Hause testen.
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SleepTrace hört nur den Ton der Nacht und zeigt einen Schlafapnoe-Indikator mit Risikostufe als Screening, keine Diagnose. Was dabei auffällt, gehört in die ärztliche Abklärung, auch wenn kein lautes Schnarchen zu hören ist.
Wie häufig ist Schlafapnoe bei Frauen im Vergleich zu Männern?
Die klassische Zahl stammt aus der Wisconsin-Studie: In einer Stichprobe von 602 berufstätigen Erwachsenen zwischen 30 und 60 Jahren hatten 9 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer mindestens 5 Atempausen oder flache Atemzüge pro Stunde. Das volle Krankheitsbild mit Tagesschläfrigkeit trafen 2 Prozent der Frauen und 4 Prozent der Männer. Männliches Geschlecht und Übergewicht standen im Vordergrund. Gewohnheitsschnarcher beider Geschlechter hatten häufiger einen Index ab 15.
Young T, Palta M, Dempsey J, Skatrud J, Weber S, Badr S. The occurrence of sleep-disordered breathing among middle-aged adults. N Engl J Med 1993. PMID 8464434
Eine große Erhebung kam zu einem ähnlichen Verhältnis und zeigte, wie stark die Wechseljahre den Unterschied verändern. Befragt wurden über 12.000 Frauen und 4.000 Männer, davon schliefen 1.000 Frauen und 741 Männer eine Nacht im Labor. Für eine Schlafapnoe mit Beschwerden ergaben sich 3,9 Prozent bei Männern und 1,2 Prozent bei Frauen. Bei Frauen vor den Wechseljahren lag der Wert bei 0,6 Prozent, bei Frauen nach den Wechseljahren ohne Hormonersatz bei 2,7 Prozent und damit deutlich näher an den Männern. Die Autoren sehen die Menopause als bedeutsamen Risikofaktor. Die Daten sind älter, die Zahlen deshalb kein heutiger Maßstab, wohl aber das Muster.
Bixler EO, Vgontzas AN, Lin HM, Ten Have T, Rein J, Vela-Bueno A, Kales A. Prevalence of sleep-disordered breathing in women: effects of gender. Am J Respir Crit Care Med 2001. PMID 11254512
Warum so viele Frauen keine Diagnose haben
In einer Untersuchung mit 4.925 Berufstätigen, bei denen keine offensichtlichen Hürden zur Gesundheitsversorgung bestanden, schätzten die Autoren, dass 93 Prozent der Frauen und 82 Prozent der Männer mit mittlerer bis schwerer Schlafapnoe nie ärztlich diagnostiziert worden waren. Beide Zahlen sind hoch, die der Frauen ist höher.
Young T, Evans L, Finn L, Palta M. Estimation of the clinically diagnosed proportion of sleep apnea syndrome in middle-aged men and women. Sleep 1997. PMID 9406321
Gleicher Befund, andere Geschichte
Eine Auswertung von Klinikakten stellte 130 Frauen mit Schlafapnoe 130 Männern gegenüber, passend nach Alter, Körpergewicht, Apnoe-Index und Tagesmüdigkeitswert. Schnarchen und Müdigkeit waren bei beiden gleich häufig. Der Unterschied lag im Rest: Frauen nannten als Hauptbeschwerde viel öfter Schlaflosigkeit (Odds Ratio 4,20), hatten häufiger eine Depression in der Vorgeschichte (4,60) und eine Schilddrüsenunterfunktion (5,60). Beobachtete Atempausen standen seltener im Vordergrund (Odds Ratio 0,66, statistisch nicht gesichert). Das Fazit der Autoren: Frauen mit Schlafapnoe werden häufiger wegen Depression, Schlafstörung und Schilddrüsenunterfunktion behandelt als Männer mit demselben Schweregrad.
Shepertycky MR, Banno K, Kryger MH. Differences between men and women in the clinical presentation of patients diagnosed with obstructive sleep apnea syndrome. Sleep 2005. PMID 16173651
Das ist ein Muster aus Klinikakten von Menschen mit deutlichem Übergewicht (mittlerer Körpermassenindex über 40) und keine Aussage über jede Frau mit Erschöpfung. Es erklärt aber, warum die Frage nach nächtlichen Atempausen bei Frauen später gestellt wird: Wer zuerst als Schlafstörung oder Stimmungstief behandelt wird, bekommt den Schlaftest oft erst Jahre danach.
Ansprechen sollte man es, wenn mehrere Punkte zusammenkommen: unerholt wach werden, Kopfschmerzen am Morgen, Ein- und Durchschlafstörungen ohne klaren Grund, gedrückte Stimmung und ein Partner, der Atempausen oder Schnarchen bemerkt. Eine Diagnose stellt erst die ärztliche Untersuchung mit Schlaftest.
Wenn Stimmung und Atmung zusammenhängen, lohnt der Blick auf Schlafapnoe und Depression. Mehr zum Schnarchen bei Frauen steht unter Schnarchen bei Frauen.
Häufige Fragen
Weil sie bei gleichem Schweregrad anders vorgestellt wird: In der Studie von Shepertycky nannten Frauen öfter Schlaflosigkeit als Hauptbeschwerde, Schnarchen und Tagesmüdigkeit waren bei beiden Geschlechtern ähnlich häufig. Das wird leicht auf Stress oder andere Ursachen geschoben.
Neben klassischem Schnarchen und Luftschnappen: nicht erholsamer Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, Erschöpfung am Morgen, Reizbarkeit oder gedrückte Stimmung sowie Durchschlafprobleme. Der Mechanismus, Atempausen, ist derselbe wie bei Männern.
Wenn mehrere dieser Anzeichen zutreffen und du dich die meisten Morgen unausgeschlafen fühlst, oder ein Partner beobachtet hat, dass du die Luft anhältst, lohnt es sich, das anzusprechen. Ein Heimtest oder das Schlaflabor sind mögliche Wege der Abklärung; welcher passt, entscheidet die Ärztin.
Ja, in einer großen Erhebung war die Häufigkeit nach den Wechseljahren ohne Hormonersatz deutlich höher als davor und lag näher an der der Männer. Warum, ist nicht abschließend geklärt. Wenn Erschöpfung, Schlaflosigkeit oder morgendliche Kopfschmerzen in dieser Zeit beginnen oder sich verschlimmern, ist es sinnvoll, gezielt nach Schlafapnoe zu fragen, auch ohne lautes Schnarchen.
Die Zahlen hängen von der Messung ab. In der Wisconsin-Studie hatten 9 Prozent der Frauen zwischen 30 und 60 Jahren mindestens 5 Atempausen oder flache Atemzüge pro Stunde, 2 Prozent erfüllten zusätzlich die Kriterien der Erkrankung mit Tagesschläfrigkeit. Nach den Wechseljahren steigt der Anteil deutlich.
Eine Schätzung an 4.925 Berufstätigen kam auf 93 Prozent der Frauen mit mittlerer bis schwerer Schlafapnoe ohne ärztliche Diagnose, bei Männern auf 82 Prozent. Die Zahlen stammen aus den 1990er Jahren, der Befund einer hohen Dunkelziffer ist aber der Kern der Arbeit.
In einem Vergleich von 130 Frauen und 130 Männern mit gleichem Schweregrad hatten Frauen mit Schlafapnoe öfter Schlaflosigkeit als Hauptbeschwerde und häufiger eine Depression oder Schilddrüsenunterfunktion in der Vorgeschichte. Die Atempausen standen seltener im Vordergrund, daher wird die Schlafapnoe später erkannt.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
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