Gelegentliches, leises Schnarchen (durch Erkältung, Alkohol oder Rückenlage) ist nicht schädlich. Bedenklich wird Schnarchen, wenn es laut ist, fast jede Nacht auftritt und mit beobachteten Atemaussetzern einhergeht: Das ist das Muster der Schlafapnoe, und sie ist über die Zeit mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Risiken verbunden. Der entscheidende Unterschied ist die Atempause, nicht die Lautstärke.
Schnarchen ist nicht gleich Schnarchen. Es gibt die harmlose Variante, und es gibt eine, die ein Warnzeichen ist. Der Unterschied ist wichtiger als die Lautstärke. Die Einordnung steht im Wikipedia-Artikel über Schlafapnoe.
Ist Schnarchen gefährlich? Das harmlose Schnarchen
Gelegentliches, leises Schnarchen, etwa nach Alkohol, bei einer Erkältung oder nur in Rückenlage, gilt nicht als Gesundheitsrisiko. Es stört höchstens den Partner, nicht den Körper. Wer nur in bestimmten Situationen schnarcht, hat in der Regel nichts zu befürchten.
Das Warnzeichen: Schnarchen mit Atemaussetzern
Bedenklich wird es bei einem bestimmten Muster: lautes Schnarchen, fast jede Nacht, unterbrochen von stillen Pausen, gefolgt von einem Schnapper oder Röcheln. Das ist keine einfache Vibration mehr, sondern der Atemweg, der kurz verschließt, die Schlafapnoe. Unbehandelt ist sie über die Zeit mit Bluthochdruck, Herzproblemen und Schlaganfallrisiko verbunden, und sie macht gefährlich müde am Tag. Mehr dazu in Schlafapnoe: zu Hause testen.
Wann du handeln solltest
Wenn du laut schnarchst, dein Partner Atemaussetzer beobachtet hat, oder du tagsüber trotz voller Nacht müde bist, ist das ein Grund für eine Abklärung, nicht für ein Anti-Schnarch-Gadget. Der erste Schritt ist das Gespräch mit dem Arzt. Eine Aufnahme des Schnarchens, zum Beispiel mit SleepTrace, kann dabei Material liefern, ersetzt aber keinen Schlaftest.
Schnarchen und Halsschlagader: Was eine Laborstudie mit 110 Freiwilligen zeigt
Ob Schnarchen ohne Atemaussetzer für die Gefäße gefährlich sein kann, prüfte eine Studie so: 110 Freiwillige, Schnarcher und Nichtschnarcher mit höchstens leichter, nicht sauerstoffarmer Schlafapnoe, wurden im Schlaflabor gemessen und per Ultraschall an Hals- und Beinschlagadern untersucht. Sie wurden nach dem Anteil der Nacht mit Schnarchen eingeteilt: mild (bis 25 Prozent), mäßig (25 bis 50 Prozent) und stark (mehr als 50 Prozent). Ablagerungen in der Halsschlagader fanden sich bei 20, 32 und 64 Prozent. Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Rauchen und Bluthochdruck war starkes Schnarchen mit einem 10,5-fachen Chancenverhältnis verbunden (Konfidenzintervall 2,1 bis 51,8), in der Beinschlagader zeigte sich kein Zusammenhang. Das weite Intervall zeigt, wie unsicher die Schätzung bei dieser Stichprobengröße ist.
Lee SA, Amis TC, Byth K, Larcos G, Kairaitis K, Robinson TD, Wheatley JR. Heavy snoring as a cause of carotid artery atherosclerosis. Sleep 2008. PMID 18788645
Was dagegen spricht: 17 Jahre in Busselton
Die Datenlage ist nicht einhellig. In der Busselton-Studie in Westaustralien wurde das Schnarchen von 400 Einwohnern in einer Nacht gemessen, ausgewertet wurden 380 (im Mittel 32 Prozent der Nacht, Spannweite 0 bis 97 Prozent) und die Gruppe 17 Jahre beobachtet. Es gab 46 Todesfälle, 68 Herz-Kreislauf-Ereignisse und 24 Schlaganfälle, und das Schnarchen, ob als Kategorie oder als stetiges Maß betrachtet, hing damit nicht signifikant zusammen, auch nicht nach Berücksichtigung der Schlafapnoe. Die Autoren folgern: Kein Schnarchmaß war mit Sterblichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Schlaganfall verbunden. Mit nur 380 ausgewerteten Teilnehmern und einer einzigen Messnacht können kleinere Effekte aber unentdeckt bleiben. Beide Studien zusammengenommen sagen: Dass Schnarchen für sich allein schadet, ist möglich, aber nicht gesichert.
Marshall NS, Wong KK, Cullen SR, Knuiman MW, Grunstein RR. Snoring is not associated with all-cause mortality, incident cardiovascular disease, or stroke in the Busselton Health Study. Sleep 2012. PMID 22942501
Warum es trotzdem lohnt, genauer hinzuhören
Der Grund liegt in dem, was hinter lautem Schnarchen steckt. Die Wisconsin-Kohorte mit 602 Berufstätigen zwischen 30 und 60 Jahren fand bei 24 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen mindestens 5 Atemereignisse pro Stunde. Gewohnheitsschnarcher hatten häufiger Werte ab 15, und die Atemstörung ging mit Tagesschläfrigkeit einher. Wer laut und regelmäßig schnarcht, hat also eine erhöhte Chance, dass dahinter eine Atemstörung steckt. Wie die Auswertung gelesen wird, steht unter AHI-Wert erklärt, und wie laut Schnarchen sein kann, unter Schnarchen in Dezibel.
Young T, Palta M, Dempsey J, Skatrud J, Weber S, Badr S. The occurrence of sleep-disordered breathing among middle-aged adults. N Engl J Med 1993. PMID 8464434
Aussagekräftig ist das Muster über mehrere Nächte. Achte darauf, ob das Schnarchen gleichmäßig bleibt oder von stillen Pausen unterbrochen wird, die in einen Schnarcher oder ein Röcheln münden, ob es nur in Rückenlage, nach Alkohol oder bei Erkältung auftritt und ob die Nächte mit lautem Schnarchen die sind, nach denen du dich am Morgen zerschlagen fühlst. Gleichmäßiges Schnarchen nur in bestimmten Situationen spricht eher für die harmlosere Variante, Pausen und Müdigkeit am Tag sprechen für eine Abklärung.
Von anderen beobachtete Atempausen, Aufwachen mit Luftnot, morgendliche Kopfschmerzen bei lautem Schnarchen oder Einnicken am Tag sind Gründe für eine ärztliche Abklärung. Lautes Schnarchen allein ist noch keine Krankheit, aber ein Anlass, den Verlauf einmal genau anzusehen.
SleepTrace erkennt Schnarchen im Ton und zeigt, wie es sich über die Nacht verteilt. Die Atem-Auswertung (Schlafapnoe-Indikator) ist ein Screening und keine Diagnose.
Häufige Fragen
Nein, gelegentliches, situationsbedingtes Schnarchen durch verstopfte Nase, Alkohol oder Rückenlage ist kein Grund zur Sorge. Aufmerksamkeit verdient die Kategorie lautes, häufiges, anhaltendes Schnarchen, besonders mit beobachteten Atempausen oder Luftschnappen. Das ist ein anderes, deutlich bedeutsameres Muster.
Ein Partner, der neben chronischem, lautem Schnarchen schläft, erlebt selbst wiederholte Schlafstörungen. Das gehört zu den Kosten von unbehandeltem Schnarchen, getrennt vom Risiko des Schnarchers selbst, und sollte bei der Entscheidung, ob man etwas dagegen unternimmt, mitbedacht werden.
Eine Studie mit 110 Freiwilligen fand bei starkem Schnarchen (mehr als 50 Prozent der Nacht) häufiger Ablagerungen in der Halsschlagader, 64 Prozent gegenüber 20 Prozent bei mildem Schnarchen. Eine zweite Studie mit 380 Menschen und 17 Jahren Beobachtung fand dagegen keinen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Datenlage ist uneinheitlich.
Genau lässt sich das nicht sagen. In der Wisconsin-Kohorte mit 602 Berufstätigen hatten 24 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen mindestens 5 Atemereignisse pro Stunde, und Gewohnheitsschnarcher hatten häufiger einen Index ab 15.
Wenn Atempausen beobachtet werden, du mit Luftnot aufwachst, morgens Kopfschmerzen hast oder tagsüber unwillkürlich einnickst. Dann ist ein Schlaftest sinnvoller als ein Gerät gegen das Geräusch.
SleepTrace ist eine Wellness-App, kein Medizinprodukt. Dieser Artikel ist allgemeine Information, kein medizinischer Rat. Wenn deine Beschwerden häufig, stark oder beunruhigend sind, sprich bitte mit einem Arzt.
Zwischen harmlosem Schnarchen und einem Warnzeichen liegt oft nur die Frage, ob es Pausen gibt. SleepTrace speichert Schnarch-Clips, markiert mögliche Atempausen mit Uhrzeit und gibt einen Schlafapnoe-Indikator als Screening. Wie gefährlich dein Schnarchen ist, beurteilt die App nicht, das tut ein Arzt, dem die Aufnahmen den Einstieg erleichtern.
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